Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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— 35 — Kulturgebietes weit besser gestellt ist, als Italien, so kann es einem Zweifel nicht unterliegen, dass Syrien imstande sein wird, mindestens die gleiche Bevölkerung zu ernähren, d. h. 30 Millionen Menschen mehr als heutzutage. Um so weniger kann dies bezweifelt werden, als nach alten Quellen schon der östliche Teil Syriens, damals eine der grössten Getreidekammern des römischen Reiches, 22 Millionen Menschen ernährt haben soll. Syrien ist ein relativ einförmiges Land, was seine Erklärung darin findet, dass der bei weitem grösste Teil den aufgewulsteten Rand der indo-afrikanischen Tafelmasse darstellt und geologisch, bis auf eine Reihe von vulkanischen Basaltdurchbrücheri und Tuffbildungen, aus Genoman- und Senonschichten der Kreideperiode, sowie aus tertiären Ablagerungen besteht und mineralogisch meist aus Kalken, Dolomiten und Sandsteinen zusammengesetzt ist. Nur das nördlichste Viertel oder Fünftel Syriens gehört zu den südeuropäisch-asiatischen Faltengebirgen und zwar zu dem sogenannten taurischen System und zeigt sowohl geologisch als mineralogisch eine weit grössere Mannigfaltigkeit, indem zu den Kalk- und Sandsteinen und den basaltischen Durchbrüchen noch Diabase und Gabbro hinzukommen. Bekannt sind aus diesem Gebiete vor allem zwei Küstenberge, nämlich der 1770 m hohe Cassius (Dschebel Akra) und der 1850 m hohe Amanus (Dschebel Musa), von denen letzterer sich mit dem Alma Dagh und Gjaur Dagh an die kurdischen Gebirge .anschliesst. Die von Nord nach Süd streichenden Randgebirge des syrischen Tafellandes sind nur im mittleren Drittel in zwei deutlichen Längszügen ausgebildet, nämlich in dem bis 3063 m aufsteigenden Libanon als Westkette und in dem bis 2670 m hohen Antilibanus als Ostkette, an den sich südlich als Grenzgebirge gegen Palästina hin der noch bis in dem Sommer mit Schnee bedeckte 2860 m hohe Hermon (Dschebel esch Schech) anschliesst. Im südlichen Drittel des Tafellandes, in Palästina, besitzt nur das Hochland CisJordaniens echte Gebirgsformen, während das Hochland Trans Jordaniens mehr als wellige Fläche von <:a. 1000 m Meereshöhe auftritt und sich nur im Osten in dem von Drusen bewohnten Haurängebirge bis 1839 m erhebt. Im nördlichen Drittel des syrischen Tafellandes ist gleichfalls nur die Westkette als Nosairiergebirge deutlich ausgebildet,