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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Projektierte Unternehmungen in Mesopotamien [Nachricht]
Date
1905-11-01
Page
Seite 369 (sequence 2)
Language
German
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— 369 — Erfolg ins Werk gesetzt un1 zu Eode geführt hat. Die Idee, dem ursprünglichen Reichtume Mesopotamiens durch künstliche Bewässerung unter Zuhilfenahme der ■alten Kanäle aus der Abassidenzeit wieder zu Hilfe zu kommen, hat Willeocks schon in einer vor mehreren Jahren veröffentlichten Broschüre in ihren Einzelheiten bekannt gegeben, und an seiner damaligen Absicht ist auch heute nichts Wesentliches geändert. Der Gedanke Sir Willcocks' läuft darauf hinaus, die .zwischen dem Euphrat und Tigris gelegenen Ländereien vermittels eines Kanalnetzes und durch Anlage von Schleusen zu bewässern, indem er als Stützpunkt für die Ausführung seines Projekts die alten Bewässerungskanäle ins Auge gefasst hat. Obwohl das Bett des Euphrat um fünf Meter höher als das des Tigris liegt, stellen sich vom technischen Gesichtspunkte aus keinerlei Schwierigkeiten in den Weg. In erster Linie soll bezweckt werden, die alten Verbindungen mit dem Euphrat wieder herzustellen, dessen chronische Wasserarmut sich während der regenlosen Periode bis zu dem Masse steigert, dass von dem Strome Euphrat schon vor Eintritt des Sommers nur ein kleines Rinnsal übrig bleibt, welches natürlich bei weitem nicht ausreicht, die zu beiden Seiten sich auf grosse Strecken ausdehnenden Ländereien zu bewässern. Darin liegt keine Schwierigkeit, weil zur gleichen Periode, während welcher das Bett des Euphrat schon trocken gelegt ist, der Tigris durch die starken Wasserzufuhren aus dem schneeigen Hochlande noch ste(s aus seinem Reichtum abzugeben hat. Wahrend der Sommermonate hat allerdings auch der Tigris nichts weniger als Wasserüberfluss, und es steht daher zu befürchten, wenn ihm durch den Will c ocks sehen Plan noch ein solcher Adeilass zuteil wird, dass der heutige Dampferveikehr ganz oder wenigstens für die Sommerperiode seinen Dienst einstellen muss, weil das Wasser für die Schifffahrt zu seicht werden würde. Unter den alten Kanälen, welche Willeo cks als Stützpunkt für sein Unternehmen in Betracht zu ziehen gedenkt, ist vor allem der Nahrwan zu erwähnen, welcher südlich von Tekrit nahe der Ortschaft Dura entspringt und von dort seinen Lauf in einer ungefähren Länge von 400 km nach Südosten nimmt. Sir Willcocks stellt diesem gewaltigen Unternehmen ein günstiges Pjognostikon in bezug auf seine Rentabilität: das dafür aufgewendete Kapital wird mit 8 bis 10 Millionen Pfund Sterling veranschlagt und soll einen Reingewinn von 20 bis 25 % abwerfen. Die in den Plan einbezogenen Terrains schätzt Will cocks auf 1 280000 ha, so dass der Hektar auf 7 bis 8£ zu stehen käme. Dagegen lässt Willcocks die Einkünfte pro Hektar in seiner Rechnung mit 3 £ figurieren, so dass die 1 280 000 ha ein jährliches Bruttoeinkommen von 3 840 000 £ bedeuteten. Von dieser Summe streicht Willcocks rund 1 840 000 £füx Unterhaitungsusw. Kosten ab, so dass ein Nettoertrag von 2 000 000 £ oder 20 bis 25 % des Baukapitals erübrigt werden würden. Für die Finanzierung soll sich schon eine vornehmlich aus englischen Kapitalisten bestehende Bankgruppe bereit gefunden haben; es 'ist aber wohl nicht daran zu zweifeln, dass auch die Beteiligung anderer als englischer Kapitaliiten zugelassen wird. Ein Unternehmen von minderer Bedeutung, aber gleichwohl nicht von minderer Tragweite für den Handelsverkehr zwischen Mesopotamien und Syrien, ist die geplante Fahrstrasse von Bagdad nach Damaskus. Das Projekt wurde von einigen einheimischen Notabein unter Führung eines christlichen Advokaten

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