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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 353

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Die Gartenstadt
Date
1905-11-01
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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— 353 — sonstigen Eignung erhalten haben, die ihnen von vornherein vielleicht gefehlt haben (Häfen, Brunnen, Wasserwerke, Strassen usw.). An zahlreichen Orten im entvölkerten Orient liessen sich in den Fussstapfen der Alten neue Siedelungen stadtähnlichen Charakters bauen. Besonders günstig dürften die Küstenlagen sein. Aber auch neben den grösseren und kleineren Städten des Binnenlandes liessen sich solche „Kolonien" anlegen. Also zunächst wäre der Boden zu erwerben. Am besten und billigsten dürfte er in den Küstenlagen zu bekommen, sein. Der erwerbende Faktor könnte eine Terrain-Gesellschaft oder -Genossenschaft sein. Wenn die Sache von der zionistischen Organisation mit ihrem noch ungenutzten Reichtum an Energien und Intelligenzen gemacht würde, so bestünde wenig Gefahr, dass die Terraingesellschaft etwa „stecken bliebe". Auch abgesehen von der gegenwärtigen Notlage im Osten harren seit Jahren viele Tausende auf das Signal zum Beginn der Aktion — bereit, dorthin zu gehen, wohin die Organisation sie weist — und zwar nicht nur Leute mit leeren Händen. Wäre es anders, so hätte die zionistische Sache wahrlich wenig Lebensberechtigung! Es sind auch nicht einmal grosse Kapitalien für den Landerwerb nötig, und das ist ja gerade einer der grossen Vorzüge der Gartenstadt - Kolonisation gegenüber der üblichen, rein landwirtschaftlichen. Für je iooo Seelen gartenstädtischer Bevölkerung wäre eine Fläche von 200 Hektar eher zu viel als zu wenig. Man bedenke, dass der durchschnittliche mittel- und kleinbäuerliche Besitz in Deutschland (! — nur der grossbäuerliche und der Grossgrundbesitz sind ausserhalb dieser Durchschnittsberechnung) nicht mehr als 1V2 Hektar beträgt, und im Orient haben wir bei billigerem Land die hochrentablen Spezialkulturen.2) Pro 1000 Seelen ist ein Bodenpreis 2) 1000 Seelen entsprechen etwa 200 Familien. Es ist also für unseren Fall garten - städtischer (also halb industrieller und halb landwirtschaftlicher — nicht etwa rein landwirtschaftlicher) Kolonisation etwa 1 Hektar pro Familie angenommen. Wie durchaus möglich das ist, beweist folgendes rein landwirtschaftliche Beispiel: Bei Spalding (Süd-Lincolnshire, England) hat eine Gesellschaft zur Förderung des ländlichen Kleinbesitzes eine Fläche von 650 Acres (260 Hektar) in 202 Parzellen von 1—35 Acres eingeteilt. Die Pächter zahlen dafür ca. 100 Mark per Hektar an jährlicher Pacht (!) und kommen so gut vorwärts, dass noch nicht 1 pCt. mit der Pacht im Rückstände bleibt. Dagegen macht die Sparkasse der Gesellschaft gute Fortschritte, und die Kolonie ist in vorzüglichem Zustande. Dabei haben die wenigsten Pächter sich auf ihrem Landstück Wohnungen erbaut, die meisten haben einen weiten "Weg zurückzulegen, und Vielerlei könnte noch gebessert werden.

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