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Altneuland · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Article
Die Gartenstadt
Date
1905-11-01
Page
Seite 350 (sequence 2)
Language
German
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— 350 - jüdische Kolonisation im Orient ihre speziellen Probleme haben muss, und mit einem dieser speziellen Probleme beschäftigen sich die nachfolgenden Ausführungen. * * * Die Wahl gerade dieses Themas ist von sehr aktuellen Beweggründen veranlasst: von der Lage im Osten, die neben allen noch so wichtigen Augenblicks-Aktionen uns vor die Frage zwingt: „Was soll später werden?" Wenn gegen die dringendste Not das Wenige geschehen sein wird, das im günstigsten Falle geschehen kann — dann wird es heissen die zerstörten Existenzen wieder aufzurichten, und das sollte, soweit es irgend geht, in einem neuen Lande geschehen. Demi die zerstörten Existenzen an Ort und Stelle wieder aufzurichten — also inmitten der Mörder von gestern — das ist fast so furchtbar, wie es wäre, sie ganz ihrem Schicksal zu überlassen. * * * Wir wollen uns also mit der Frage befassen (deren allgemeines Interesse durch die Anwendung auf diesen speziellen Fall sicherlich nicht vermindert wird), auf welche Weise in kürzester Zeit mit den geringsten Mitteln die grösste Anzahl von Existenzen auf geschäftsmässig gesunder Grundlage aufgerichtet werden kann. Die herkömmliche landwirtschaftliche Kolonisation scheint mir hierzu nicht geeignet, weil so mit grossen Mitteln einer verhältnismässig nur sehr kleinen Anzahl geholfen werden kann, und auch das nur in langer Zeit und mit recht unsicherem Erfolge, wie es die bisherige jüdische Kolonisation erwiesen hat. Industrielle Kolonisation ist so schnell, so billig und so geschäftsmässig gesund, dass diese Form zweifellos bald im Vordergrund des Interesses stehen wird — besonders auch wegen der vorzüglichen Eignung der jüdischen Auswanderer für derartige Berufe. Die Nachteile der industriellen Kolonisation sind andererseits ebenfalls nicht ausser acht zu lassen. Industrie geht in der Regel Hand in Hand mit Abhängigkeit und Ausbeutung der Arbeiter, mit ungünstigen Lebens- und Gesundheitsverhältnissen, mit Wohnungsnöten und vielem anderen.

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