Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 339 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 339 — sation wie als Vorstufe für die Schule.10) Für diese zieht sie einen festen Stamm heran, und zugleich erleichtert sie ihr die erziehliche Aufgabe, indem sie die Kinder schon im zartesten Alter durch Spiel un,d Ernst an Ordnung, Zucht, Reinlichkeit; .Gehorsam gewöhnt. Und die Macht der Gewöhnung spielt im Schulleben eine grosse Rolle. Grund genug, um unter den abnormen Verhältnissen des Orients die Kleinkindererziehung zu pflegen und ihr die ernsteste Aufmerksamkeit zu - schenken. Sonderlich in den jüdischen Verhältnissen. Hier ist die Familie in der Regel mit einem grossen Kinderreichtum gesegnet, und der Armut wird durch die Chalukah, trotzdem auch sie mit dem Familienzuwachs wächst, keineswegs gesteuert. Dazu sind die Eltern, namentlich die berufenen Mütter, oft beim besten Willen unfähig und hilflos, um auf ihre Kinder erziehlich und sittlich einzuwirken. „Die Mutter von drei oder vier kleinen Kindern/' so schreibt der Direktor der Lämelschule aus persönlichster Kenntnis der Verhältnisse heraus, „ist recht froh, wenn die Kleinen, die sie in ihrer häuslichen Arbeit stören, die enge Wohnung, gewöhnlich aus Zimmer und Küche bestehend, verlassen. Draussen treiben sich die Kinder in der Sonnenglut im Staube und auf den Misthaufen umher, und die klimatischen Krankheiten, Malaria und Augenentzündung, sind die unausbleiblichen Folgen. Diejenigen Kinder, welche der Obhut einer sog. „Mestra", einer sephardischen Kinderlehrerin, anvertraut sind, oder mit 3—4 Jahren ins Cheder geschickt werden, sind durchaus nicht besser daran. So eine (arme „Mestra" nimmt soviel Kinder zusammen, als ihr kellerartiges Zimmer fassen kann, nicht etwa um dieselben zu erziehen, sondern um die Kleinen, deren Schreckensgespenst sie ist, durch Drohungen und Schläge niederzuhalten. Der „Melamed" des Cheder wiederum fasst seine Aufgabe dahin auf, den Kleinen um jeden Preis und in der möglichst kürzesten Zeit das Hebräisch-Lesen beizubringen — unbekümmert um das „Wie". Im Cheder und bei der Mestra wird jede freie, natürliche Entwicklung der Kinder, die körperliche 10) Der Vater des Kindergartens, Fröbei, spricht sich, über den Zweck desselben föl- .•gendermassenaus; „Er soll Kinder des vorschulpflichtigen Alters nicht.nur in Aufsicht -nehmen, ^sondern ihnen auch eine ihrem ganzen Wesen entsprechende Tätigkeit geben, ihren Körp.er kräftigen, ihren Sinn üben, den erwachenden Geist beschäftigen und sie sinnig mit der Natur und der Menschenwelt bekannt machen; besonders auch Herz und Gemüt richtig, leite.njmd.zum j-tjxgrrjjade flies, Lebens,,.zjir -Einheit.mit -sich,_ hinleiten.".. < . . . . .• 3*