Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 336 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266026-2267835--1423-2267900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
336 — Ausserdem ist ein Kursus im Türkischen in Aussicht genommen, weil die Regierung die Pflege der offiziellen Sprache in höheren Schulen fordert, sowie der Unterricht in der Landwirtschaftskunde, der dank dem nunmehr dem Hilfsverein überwiesenen Kolonisationsfonds des Dr. Salvendi beginnen wird, sobald die Verhandlungen zwecks Erwerb einer geeigneten Scholle bei Jerusalem zum Abschluss gelangt sind. Die geplante Ansiedelung entlassener Waisenhaus- oder Lämelscfrulzöglinge auf der Kolonie wird den Seminaristen, speziell in den Ferienmonaten, Gelegenheit zur praktischen Erlernung der Landwirtschaft geben. Wie wichtig diese Ausbildung in den kleinstädtischen oder dörflichen Verhältnissen, d. h. in den Kolonien, für die soziale Stellung des Lehrers nicht minder als für das Niveau seiner Schulgemeinde werden kann, darauf wurde schon hingewiesen. Er wird dort erst auf diesem Wege, wozu er dank seiner umfassenden Allgemeinbildung berufen ist: der Kulturpionier und allseitige Helfer und Erzieher seines Volkes. Dazu nützen ihm auch die hygienischen Vorträge, welche bereits jetzt von einem Fachmann am Seminar gehalten werden. Es lässt sich nicht verkennen, dass das Ziel der Anstalt ein hochgestecktes ist. Seine Erreichung ist von der Treue und Tüchtigkeit der Lehrer nicht minder als von einer sorgsamen Auswahl der Schulzöglinge hinsichtlich ihrer Befähigung und ihres Eifers abhängig. Die Erschwerung liegt in dem zweisprachigen Unterricht, in dem die hebräischen Disziplinen einen hervorragenden Platz einnehmen. Eine Folge davon ist aber, dass das Hebräische im Seminar eine moderne und lebende Sprache ist, über deren Beherrschung nicht minder als Gestaltungsfähigkeit sich die Zöglinge durch freie Vorträge und eventuell auch durch Elementarunterricht ausweisen. Gegenwärtig ist das Lehrerkollegium auf Anregung des Direktors des deutschen archäologischen Instituts, Prof. Dr. Dalmann, an die Schaffung einer einheitlichen Aussprache des Hebräischen, welche dem Charakter der semitischen Sprachen, speziell des Arabischen, entspricht^ gegangen. Einer der hebräischen Seminarlehrer hat unter dem Beifall der Fachgelehrten in einer Abhandlung die Richtpunkte für eine richtige Aussprache, zunächst der Konsonanten, niedergelegt. Von einer weisen Mässigung angesichts der hochgesteckten Ziele zeugt es, dass man von einer weiteren Pflege moderner