Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Jugendpflege
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 327 übertriebene und einseitige Sprachkultur in der Elementarschule, hier so gut wie vermieden ist. Man ist von der dreistündigen Pflege des Englischen neben dem Französischen, jenes in der ersten, dieses in der zweiten Klasse, wie es noch 1901 in der damals vierklassigen Schule getrieben wurde, zurückgekommen; solche Zersplitterung der Kräfte konnte auch nur die Festigkeit der Unterrichtsergebnisse gefährden und erziehlich zu dem bedenklichen, in den orientalischen Schulen nur zu bekannten Gleissen mit Sprachkünsten führen. Auch der jetzige französische Unterricht erscheint für den Juden, der neben seiner hebräischen Mutterzunge für den Verkehr mit den Eingeborenen die Landessprache und für die europäischen Geschäftsbeziehungen .das moderne Deutsch spricht, nicht unentbehrlich. Doch man darf sich diesen Elementarunterricht in der obersten Klasse der nunmehr sechsklassigen Anstalt wohl um so eher gefallen lassen, als die dafür angesetzte Wochenstundenzahl die übrigen Unterrichtsfächer, speziell die Realien, nur wenig beeinträchtigen kann. Auf den Unterricht in den Realien legen wir freilich um so grösseren Wert, als das Verständnis für die praktische Bedeutung und den Nutzen derselben noch in weiten Kreisen der Jerusalemer Bevölkerung schlummert, so dass ihre Heranziehung in den meisten Tagschulen nur im Anschluss an das Lesebuch vorgesehen ist. In der Lämelschule sind für Geschichte, Erd- und Naturkunde auf der Oberstufe besondere Stunden angesetzt, und schon Bambus5) hebt in seinen Reiseschilderungen die gediegenen Kenntnisse in diesen Fächern als eine Seltenheit in der orientalischen Schule hervor. Die praktische Stoffauswahl, wie z. B. die Behandlung der Elemente der Handelsgeographie und Warenkunde in der Erdkunde, der lokal bestimmten Hygiene in der Naturkunde, verrät, dass bei der Unterrichtsgestaltung der Blick für die individuellen Bedürfnisse der dortigen Bevölkerung nicht fehlt. Von diesen gesunden Grundsätzen darf man mit der Zeit einen noch weiteren Ausbau der Fächer erhoffen, als ihn der 1—2stündige Unterricht in den beiden Oberklassen gegenwärtig zulässt. Die elementaren Vorgänge auf dem Gebiete der Physild und Chemie, die doch für das Verständnis der einfachsten haus- und landwirtschaftlichen Prozesse von Bedeutung sind, 5) Palästina, Land und Leute. Berlin 1898 S. 153.