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Altneuland · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. Seite 309

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Der russische Handel in Damaskus [Nachricht]
Date
1905-10-01
Page
Seite 309 (sequence 2)
Language
German
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— 309 — tragen zuweilen 2 bis 3 Monate, im Laufe welcher Zeit Syrien fast ohne Zufuhr von Petroleum bleibt; und dann steigen die Preise bedeutend. In Damaskus und auch in Beirut gibt es weder Reservoire zur Aufnahme von Petroleum, noch auch grosse Speicher und Depots, mit deren Hilfe man die Preise regulieren könnte. Ausser dem Verbrauch von Petroleum nimmt in Damaskus auch der Gebrauch von russischem Mehl zu, welches übrigens hier einer bedeutenden Konkurrenz seitens des inländischen Mehles geringerer Qualität begegnet, das von zwei modernen Mühlen geliefert wird. Nichtsdestoweniger geht die Nachfrage nach den ersten Sorten russischen Mehles nicht nur nicht zurück, sondern nimmt beständig zu. Im Jahre 1903 war der Konsum von russischem Mehl auf 1100 Sack im Werte von 11 500 Rbl. gestiegen. Das russische Mehl verwendet man hier gewöhnlich zur Verbesserung der geringeren Sorten inländischer Produktion. Die dritte Stelle unter den nach Damaskus eingeführten russischen Waren nimmt der Zucker ein, dem es offenbar beschieden ist, auf diesem Markte in kurzer Zeit eine vorherrschende Stellung einzunehmen. Vor sechs Jahren noch wurden in Damaskus nur 3800 Sack russischen Sandzuckers abgesetzt, und im Jahre 1902 hat sein Verbrauch schon die Menge von 30 000 Sack oder gegen 1 250 000 kg erreich'. Der russische Sandzucker wird in seiner Qualität hier besonders von den Konditoren geschätzt, welche ihn jedem anderen Zucker vorziehen. Ungeachtet dieser günstigen Bedingungen war der russische Zucker infolge der ungenügenden Organisation des Exportgeschäftes mit demselben noch nicht imstande, den ihm in der Qualität angeblich nachstehenden französischenr österreichischen und belgischen Zucker vom Markte zu verdrängen. Russischer Zuckerraffinade begegnet man auf dem Markte von Damaskus gar nicht. Eines guten Begehrs erfreute sich auch russisches Leder in Damaskus. Im Hinblick auf die beständige Nachfrage nach dieser Ware haben sich die grossen Lederhändler schon längst bemüht, direkte Handelsbeziehungen mit Russland anzuknüpfen, um von dort Leder zu beziehen. Da aber die russischen Lederproduzenten ihnen keinen Kredit gewähren wollten und wegen der äussersten Langsamkeit der Ausführung ihrer Bestellungen haben sie ihre Versuche endlich ganz aufgegeben. Weil sie nun keine Möglichkeit sahen, direkte Beziehungen mit Russland anzuknüpfen, verschreiben sich die Kaufleute in Damaskus das Leder aus Oesterreich-Ungarn, Deutschland und anderen Ländern, wrelche alljährlich Handlungsreisende ausschicken, die Syrien mit Lederproben bereisen und schnelle Ausführung der Bestellungen anbieten. Infolgedessen ward Leder aus Russland jetzt nach Damaskus nicht mehr direkt ausgeführt; eine ganz unbedeutende Menge desselben (für etwa 300 Rbl.) kommt auf den Markt in Damaskus durch Vermittlung von Kommissionären aus Beirut. Der auf dem Markt von Damaskus einstmals erschienene mssische Spiritus konnte den Wettbewerb nicht bestehen gegen österreichischen Spiritus, dessen Preis in Damaskus fast dem Preise des russischen Spiritus in Odessa gleichkam. Ausserdem fing man an, auf Chios und Samos billigen Spiritus zu fabrizieren, der nun auch schon bis Damaskus kommt. Der russische Samowar erobert sich auch schon eine gewisse Bedeutung auf dem Markte in Damaskus, infolge des zunehmenden Teekonsums. Interessant ist es, dass der chinesische Tee, der in Damaskus über Port-Said gekauft wird,

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