Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Der palästinische Weinbau
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 267 - früh Erträge! Der Weinberg wird die Sparkasse, die Versicherungspolice des Kolonisten werden. Wir haben nicht zuviel Weinpflanzungen, es ist nicht richtig. Wir waren einfach nicht urteilsfähig. Unterrichten wir uns doch von den Bedürfnissen der uns interessierenden Märkte und dann werden wir die Ueberzeugung gewinnen, die mit zum Satze führt: „Pflanzet Wein!" Man darf uns aber nicht missverstehen! Es liegt uns fern, den Weinbau als ausschliessliche Kultur zu empfehlen, wie man es bisher tat. Wenn in einer oder der anderen Kolonie ein oder mehrere Kolonisten sich speziell oder ausschliesslich dem Weinbau widmen, so sehen wir nichts Böses darin. Wenn wir aber den Weinbau empfehlen, so denken wir ihn uns in erster Linie als eine Nebenkultur. Wir werden keine neuen Kolonien mehr gründen, die sich ausschliesslich auf Weinbau basieren, aber alle unsere Kolonien und alle Kolonisten müssen etwas Wein anpflanzen. Der Lokalverbrauch von Trauben wird sich vermehren. Die einem Hafen benachbarten Kolonien werden auch davon exportieren. Einige, wie z. B. Melhamie, die in der Nähe einer Eisenbahnstation liegen und sich noch eines für die Erzeugung von Primeurs besonders geeigneten Klimas erfreuen, werden Tafeltrauben für den Verbrauch von Tiberias, Haifa, Damaskus produzieren, geschweige der anderen, weniger bedeutenden Durchgangszentren. Wir wiederholen es noch einmal, es ist eine Kultur, die den Kolonisten bereichern kann, der mit geringen Mitteln sich einrichtet. Wenn man sie verhindert, so sündigt man gegen unser Land und gegen unser Nationalvermögen. Vor vier Jahren empfahlen wir die Rosinenkultur; man lachte darüber oder zweifelte zumindest, und erst in diesem Jahre entschloss man sich, diesbezügliche Versuche in verschiedenen Punkten Galiläas und Judäas zu unternehmen. Die von uns jetzt gemachten Vorschläge werden dasselbe Schicksal haben, aber wir beklagen uns nicht, wir bedauern nur den Zeitverlust. Gehe man doch ernst und sofort ans Werk und in vier Jahren werden wir nach Aegypten Tafeltrauben liefern. Man darf aber nicht den Versuch mit den Trauben machen, die wir jetzt haben, und die sich nicht hierzu eignen. Dies würde heissen, die Zukunft der Sache in Frage stellen. Pflanzet Wein!