Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Der palästinische Weinbau
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266024-2267654--1277-2267705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 265 — letzteren Sorte in Palästina a priori nicht in Abrede stellen. Wir zweifeln daher nicht im geringsten daran, dass wir mit Leichtigkeit fast die ganze ägyptische Nachfrage an uns ziehen können, wenn wir die entsprechenden Sorten anbauen. Trauben, die um 6 Uhr morgens in Jaffas Nachbarschaft geschnitten werden, können schon am nächsten Tage um 6 Uhr morgens auf dem ägyptischen Markt zum Verkauf stehen, während der Transport von Cypern und Smyrna drei- bis fünfmal so lange dauert. Wir müssen noch bemerken, dass der jährliche Verbrauch Aegyptens durchaus nicht an die Grenze von 6 Mill. Kiolgramm gebunden ist. Man darf höchstens sagen, dass diese 6 Mill. Kilogramm den ägyptischen Verbrauch innerhalb einer Saison darstellen. Nun reift aber die Rosakitraube spät und Trauben werden häufig in Aegypten erst im August, um spätestens Ende Oktober aufzuhören, d. i. eine Saison von 3 Monaten. Wenn wir an der Küste Palästinas Chasselas und andere frühreife Sorten ziehen würden, so könnten wir schon mit unseren ersten Ausfuhren in der ersten Hälfte Juni beginnen, und indem wir zugleich unsere Kulturen stufenweise nach dem Gebirge zu mit geeigneten spätreifenden Sorten besetzen, können wir noch bis Ende November frische Trauben liefern. Die Traubensaison würde also statt 3 Monate volle 6 andauern, und wenn man nicht behaupten kann, dass Aegyptens Verbrauch sich verdoppeln würde, so darf immerhin mit Sicherheit angenommen werden, dass er von 6 Mill. auf 9 Mill. Kilogramm steigen wird. Und würden wir davon nur zwei Drittel, d. i. 6 Mill. Kilogramm jährlich zu liefern haben, so würde diese Menge gegenwärtig beinahe der ganzen Produktion der sämtlichen judäischen Kolonien entsprechen. Wir wollen hoffen, dass angesichts der von uns angeführten Tatsachen und Zahlen man uns nicht des Optimismus zeihen wird, wenn wir zu den folgenden Schlussfolgerungen gelangen: 1. Palästina ist dnak seiner geographischen Lage, sowie der Beschaffenheit seines Bodens und seinem Klima ein für den Weinbau besonders geeignetes Gebiet. 2, Bei der gegenwärtigen Sachlage erscheint die Herstellung von ordinären Tischweinen nicht gewinnbringend, während hingegen die Fabrikation von Süss- und Likörweinen (sog. Südweine) unbedingt zu versuchen ist.