Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Die Nachbarländer
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 190 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 190 - strichen für ein wirklich planvolles Vorgehen in unserem Sinne in Betracht kommen. 3. Diejenigen Länder oder Provinzen, in denen eine jüdische Einwanderung bald zur Majorität oder wenigstens ein wesentlicher Bestandteil der Gesamt-Bevölkerung werden kann, sind denen vorzuziehen, in denen dieser Prozess länger dauern würde, und gar nicht sollten für absehbare Zeit in Betracht kommen diejenigen Länder, in denen wir — ebenfalls für absehbare Zeit — verurteilt wären, eine verschwindende Minorität zu bleiben. 4. Länder mit geringerer Entfernung von den Auswanderungsgebieten (Länder also, wohin die Uebersiedelungskosten und die Reisedauer geringer sind) müssen den entfernteren und auch den schwerer zugänglichen Gebieten vorgezogen weiden. 5. Bei der Verteilung der kolonisatorischen Wirksamkeit auf Palästina selbst und auf Nachbargebiete sind die Nachbargebiete nach Möglichkeit nur soweitzu berücksichtigen, a 1 s die vorzunehmende Tätigkeit in Palästina sich gar nicht oder mit wesentlich grösseren SchVieri gkeiten durchführen lassen (wenn wir beispielsweise in Palästina und in Syrien das Gleiche oder annähernd das Gleiche tun könnten, so hat es unter sonst normalen, Umständen gar keinen Sinn, diese Tätigkeit ausserhalb Palästinas zu verlegen und unser Zentrum zu schwächen). Von der oben genannten Länderliste sollten also nach diesen Gesichtspunkten von vornherein als für uns in absehbarer Zeit nicht in Betracht kommende Gebiete ausscheiden: 1. Kleina sie n. Dieses Land hat die ungefähre Grösse von Deutschland und eine Einwohnerschaft von 9V2 Millionen. An der voraussichtlich bevorstehenden Entwicklung eines so grossen Landes werden, die Juden nur einen verhältnismässig kleinen Anteil nehmen können, wie auch ihre Zahl unter der der jetzigen Bewohner und vor allem auch auf der grossen Fläche des Landes eine verschwindend kleine sein unid bleiben müsste. Die Einbeziehung dieses grossen Gebietes in den Plan einer kompakten jüdischen Siedelung ist hiernach für die zunächst absehbare Zeit abzulehnen. Dies braucht uns freilich nicht zuhindern, auf gewisse Teile Kleinasiens von besonders günstiger Lage, und zwar speziell die Provinz Adanaunddie Insel Rhodos,imweiteren Verlauf dieser Ausführungen noch zurückzukommen. —