Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Die Nachbarländer
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 185 — Bisher und ohne diese neueste Entwicklung war das nicht möglich. Die „Palästinenser" konnten nicht dazu gebracht werden, in Argentinien oder sonstwo bei einer Kolonisation mit dezentralisierendem Charakter mitzutun, und andererseits konnten die Nicht- und Anti-Palästinenser ihre Bedenken wegen der palästinensischen Einwanderungs- und sonstigen Rechtsverhältnisse nicht über Bord werfen. Dazu war keine Veranlassung da, ujn so weniger, als ja. vonzionistischer Seite selbst diese Schwierigkeiten für die Theorie geltend gemacht wurden, nach der man bis zur Erlangung öffentlichrechtlicher Garantien von einer kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina Abstand nehmen müsse. Die Starrheit des beiderseitigen Standpunktes ist nun in letzter Zeit ganz offensichtlich aufgegeben worden. Seit dem letzten Zionisten-Kongress sind von grossen Parteien innerhalb der Bewegung so fern liegende Projekte aufgegriffen worden, dass die Rückkehr dieser Gruppen selbst zu einem recht weit gefassten Länder kreis um Palästina herum schon fast als eine Rückkehr zum „P a 1 ä s t i n a - Zionismus" zu betrachten wäre. Und die früheren Gegner — besonders die ICA. — haben gar in den letzten paar Jahren alle Schritte von denkbar schärfster Gegnerschaft gegen eine Ansiedelungstätigkeit im Orient bis zu einer schon recht grosszügigen und vielseitigen kolonisatorischen Wirksamkeit in diesem Länderkreise durchgemacht. Sie hat in Palästina die Rotschild sehen Kolonien übernommen, in Anatolien erweitert sie die von Professor War bürg begonnene Kolonisation, und auch in Cypern hat sie ganz neuerdings Ländereien, angekauft. Ich meine daher, das einigende Wort braucht nur ausgesprochen — der g u t e W i 11 e zur gemeinsamen Aktionin der gemeinsamen Frage braucht nur hinreichend dokumentiert zu werden, und der Erfolg kann nicht lange mehr ausbleiben. Die Tatsachen liegen nun doch einmal so: England und Nordamerika versperren sich zusehends der jüdischen Einwanderung. Die anderen Länder werden sich früher oder später ebenfalls ausserstande erachten, noch mehr wandernde Juden aufzunehmen, als sie bis zu dem betreffenden Zeitpunkte aufge- 4