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Altneuland · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Die jüdischen Ackerbaukolonien in Argentinien [Nachricht]
Date
1905-05-01
Page
Seite 152 (sequence 2)
Language
German
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— 152 — An Vieh besitzen die Kolonien 53 000 Stück Hornvieh, 13 000 Pferde und 3500 Schafe. Mit Weizen sind 21000 ha besäet, mit Flachs 17 000, mit Mais 14 000. Die meisten Kolonisten sind aus Russland gekommen; nur in der letzten Zeit hat auch ein Zuzug aus Rumänien und anderen Gegenden stattgefunden. Jeder Kolonist empfängt Land, Gebäude, Inventar, mit einem Wort, alles Notwendige, um seine Wirtschaft anzufangen. Er muss seine Schuld, die zu 5% verzinst wird, in 20 Jahren abzahlen. Anfänglich bekam jeder Kolonist 50 ha Land zugewiesen, doch stellte sich bald heraus, dass dies bei den argentinischen Verhältnissen nicht ausreicht, um in die Höhe zu kommen. Vorzugsweise findet die Ansiedelung in Gruppen von vier Höfen statt. Für je zwei Höfe wird ein gemeinsamer Brunnen angelegt. Die einzelnen Ansiedelungsgruppen sind voneinander einen Kilometer entfernt, was für die Kommunikation nicht besonders schwierig ist. Auf je 12 Gruppen entfällt eine Schule. Der weiteste Weg, den die Kinder zurückzulegen haben, beträgt mithin 3 km. Die Häuser werden aus Ziegelstein erbaut und mit verzinktem Blecheisen gedeckt. Das Haus, 8 X 4 m im Umfange, mit drei Fenstern in der Fassade, hat zwei Zimmer und kostet etwa 369 Rbl. Der Kolonist empfängt das fertige Haus, eine umfriedete Fläche von 25 ha und eine uneingefriedete Fläche von 125 ha. In der umzäunten Fläche kann er Gemüse bauen, Bäume pflanzen, Luzernen bauen, auf der freien Felder anlegen. Ausser Gut und Land erhält er 8 Ochsen zur Arbeit, 12 Kühe, 4 Pferde, einen Wagen, zwei Pflüge, eine Egge usw. Die Gesamtschuld des Kolonisten beträgt im Durchschnitt 7000 Pesas (5740 Rbl.), wovon 4000 auf das Land, 3000 auf alles übrige entfallen. Jede Kolonie hat zur Leitung ihrer Angelegenheiten folgende Administration: einen Verwalter (Gehalt 4100 Rbl.), einen Gehilfen desselben (2870 Rbl.), einen Buchhalter (1640 Rbl.), zwei Schreiber (ä 492 Rbl.), alle bei freiem Quartier. Auch die ärztliche Hilfe wird in den Kolonien gut bezahlt. So bezieht ein Arzt etwa 4900 Rbl., ein Feldscher 984 Rbl. bei freiem Quartier. Ernste Feinde der Wirtschaft sind die Ameisen, zu deren Bekämpfung sogar ein besonderer Apparat erfunden ist. Die Weizenernte in der Kolonie Clara beträgt 53l/2 bis 67 Pud pro Hektar, doch kommen auch ungünstigere Jahre vor. Die Einerntung kostet etwa 1 RbL 80 Kop. pro Dessjatine, die Arbeit und die Pferde nicht gerechnet. Schafe kommen in den Kolonien gut fort, doch ist die Zucht derselben für viele Kolonisten noch schwierig, da der Weideraum der Schafe eingehegt werden muss und ausserdem gedeckte Stallungen für sie aufgeführt werden müssen, in denen die Schafe in der schweren Regenzeit Schutz finden können. Aeltere Kolonisten beschäftigen sich aber mit Erfolg auch schon mit der Schafzucht. Die landwirtschaftliche Saison in Lucienville beginnt mit Ende Mai. Zuerst wird Weizen gesät. Mais wird Ende September, im Oktober, ja selbst im Dezember gesät. Die Fröste sind für Weizen im Juli und August gefährlich, für Mais im April und Mai. Viele Kolonisten in Lucienville haben begonnen, sich mit der Geflügelzucht zu beschäftigen. Die Hühner vermehren sich erfolgreich und finden überall genügend Futter. Eier finden unbeschränkten Absatz, und zwar zu dem guten Preise von 10 Kopeken das Zehner, während Milch zum Beispiel sehr billig ist und nach Abzug der Transportkosten zu den grossen Molkereien nicht mehr als 25 Kopeken pro Eimer erzielt.

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