Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Zur Frage der Mühlenindustrie in Palästina
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 144 (sequence 3)
- Language
- German
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— 144 — auch hoffe ich, dass Palästina infoige der intensiven Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie noch in absehbarer Zeit so an Bevölkerung zunimmt, dass es sein eigenes Getreide völlig selber verarbeitet und konsumiert. Aber noch mehr wundert es mich, Herrn Aaronsohn über Graupenfabrikation urteilen zu hören, einen Fabrikationszweig, den er sicher nicht kennt, da er in Palästina nicht existiert und ■worüber es fast keine Literatur gibt. Ich habe selber Graupengänge gebaut, sie montiert, mit ihnen gearbeitet und dabei von 1000 kg Gerste ca. 500 kg einfach geschälte Perlgraupen und •ca. 100 kg Gerstenmehl erzielt. Nur bei den gehackten Graupen, resp. wenn man sehr schlechte Ware auf ganz kleine Perlgraupen verarbeitet, wird eine Ausbeute von ca. 400 kg Graupen und sehr viel Mehl, ca. 200 kg, erzielt. Ich habe schon den allerungünstigsten Fall angenommen und bin natürlich überrascht durch die Behauptung, die Ausbeute sei' noch geringer, nur 350 kg. Herrn Aaronsohn ist ferner bekannt, dass in Palästina •Gerste zu Futterzwecken grob gemahlen wird, was ein Produkt gibt, das ungefähr der Gerstenkleie mit Mehl gemischt ähnlich ist, und wofür mehr als für einfache Gerste gezahlt wird. Weshalb glaubt denn Herr Aaronsohn, dass wir die Gerstenkleie, mit 50% Mehl, nur zu bedeutend niedrigerem Preise als reine Weizenkleie absetzen können? Ueber die Höhe des Preises von '9,50 Frcs. habe ich mit palästinensischen Mühlenbesitzern mehrmals beraten. Den Vorteil der Graupenfabrikation nochmals zu besprechen, scheint mir überflüssig zu sein, und ich hoffe, meine Angaben den event. noch zweifelnden Reflektanten für diese Branche in kurzem durch die Tat beweisen zu können. PALAESTINA UND NACHBARGEBIETE. Palästina als Absatzgebiet Einem recht tendenziös gefärbten Bericht des „Konstantinopeler Handelsblattes" entnehmen wir folgende Mitteilungen: Deutschland hat in Palästina bereits festen Fuss gefasst, es könnte aber noch mehr liefern, denn im heiligen Lande hat es die beste Aussichten für sich. Fast der gesamte Handel und die meisten besseren offenen Geschäfte befinden sich in deutschen Händen, und fast die ganze Einfuhr wird von deutschen Firmen besorgt. Die deutschen Templergemeinden sind auch zahlungsfähige Abnehmer