Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Die jüdischen Wohltätigkeitsanstalten Jerusalems
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 141 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266021-2267373--1056-2267439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 141 — halten. Das kleine Parterregebäude innerhalb der Stadt, in einer schmalen Gasse, die zu den nom? to, den deutschen Pilgerhäusern führt, gelegen, überging, nachdem das Hospital Ende der siebziger Jahre von dort nach ausserhalb der Stadt verlegt wurde, in den Besitz der sephardischen Gemeinde. Heute erhebt sich dort das stattliche Misgab Ladach-Hospital, das mit 60 Betten besetzt ist, und an dem zwei Aerzte tätig sind. Anstossend daran befinden sich die genannten Pilgerhäuser. Ein grosses Terrain mit ein paar Dutzend Armenwohnungen, einem Stiftungshaus, das den Namen des Barons K. W. von Rothschild verewigt, sind die nanc ein bleibendes Monument, welches die Rabbiner J. Hildesheimer, zurzeit noch in Eisenstadt, und Ch. H. Manheimer in Ungvar mit Hilfe gleicher Gesinnungsgenossen sich noch bei Lebzeiten gesetzt haben. Ein bedeutendes Hospital, unter deutschem Schutze stehend, das mit 80 Betten belegt ist, von 11 Vorstehern abwechselnd geleitet wird und an dem zwei der tüchtigsten Aerzte angestellt sind, ist das Hospital, welches der vor nunmehr 30 Jahren sich hier gebildete Bikkur Cholim-Verein gegründet hat. Ist auch die Behandlung der Patienten hier wie dort gleich vorzüglich, so ist ihnen doch die gepresste Luft, verursacht durch die enge Lage, welche die Stadt mit sich bringt, minder zuträglich. Weder Misgab Ladach noch Bikkur Cholim verfügen über einen wie immer gearteten Garten, was insbesondere von Rekonvaleszenten höchst ungern vermisst wird. Die verschiedenen Talmud Tohra und besonders die vier sog. Hochschulen: Ez Chajim, Tohrath Chajim, Meah Schearim und die grosse Jeschibah des Brisker Raw könnten segensreich wirken, namentlich wenn sie gehörig beaufsichtigt uod von verständigen Personen geleitet würden. Mit Ausnahme einiger weniger werden alle diese Anstalten von Wohltätigkeitsgeldern erhalten. Man muss ohne Rückhalt gestehen, dass sich hier der gerühmte jüdische Wohltätigkeitssinn aufs glänzendste bewährt. Aber für die wirtschaftliche Lage Jerusalems, die allein eine bessere Zukunft herbeizuführen imstande ist, die die Chalukah entbehrlich machen und dennoch das Elend bannen würde, ist jüdischerseits bis heute so viel wie nichts geschehen. Es wäre zu wünschen, dass auch dieses Feld nicht länger brach liegen bliebe.