Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Rattenfrage
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
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— 127 — der neu aufgeworfenen Löcher zählte, fand man nur 37 von den Feldratten aufgeworfene Löcher. Danach war also der Erfolg ein durchschlagender. Dieser überraschende Erfolg veranlasste nun den französischen Landwirtschaftsminister, nachdem er sich überzeugt hatte, dass das Virus Danysz weder Menschen noch Tieren bei Berührung mit demselben von Nachteil ist, bei der Budgetkommission die Bewilligung eines ausserordentlichen Kredits von 400 000 Franken zur Unterstützung des Kampfes gegen die Feldratten in ganz Frankreich durchzusetzen. Die Kosten wurden auf 5 Franken pro Hektar festgesetzt. Eine Flasche Virus soll pro Hektar zur Verwendung gelangen. Wir wenden uns nunmehr der Frage der Bekämpfung des so gefährlichen Schädlings in den Kolonien zu. Systematisch wurde die Bekämpfung bis jetzt wohl noch nirgends durchgeführt. Auf San Thome, der Insel, welche, wie wir gesehen haben, ausserordentlich viel unter dieser Geissei zu leiden hat, wurden nach den Mitteilungen von Almada Negreiros und Monteiro de Mendonya in Nr. 31 und 33, 1904 des „Journal d'Agriculture Tropicale" vor sechs Jahren Versuche mit einem Virus gemacht. Die Pflanzer dieser portugiesischen Kolonie Hessen in zwei Fällen Beauftragte des Instituts Pasteur von Lissabon nach San Thome kommen, um die Bekämpfung mit einem Virus einzuleiten. In beiden Fällen sollen die Bemühungen erfolglos gewesen sein. Der Mikrob hat zwar viele Ratten getötet, sie vermehrten sich aber bald wieder und verwüsteten die Felder in derselben Art wie früher. Auch mit dem Virus Dan3rsz wurde vor kurzem ein Versuch auf der kleineren Prinzeninsel und, was für den Versuch besonders günstig war, auf der ganz kleinen Insel Rolas unternommen. Das Ergebnis war wiederum negativ. Die Ratten setzten ihr Zerstörungswerk fort. Die Verfasser bezweifeln somit die Möglichkeit einer erfolgreichen Bekämpfung der Ratten. Demgegenüber verweist mit Recht die Redaktion des „Journal d'Agriculture Tropicale" darauf, dass bei der Anwendung des Virus zwei Momente nicht ausser acht gelassen werden dürfen: 1. muss die Bekämpfung auf allen Punkten einer Gegend gleichzeitig aufgenommen werden, was allerdings auf einer Insel, wie wir es eingangs unserer Ausführungen erwähnten, am leichtesten durchzuführen ist; 2. gilt es festzustellen, ob die betreffenden Ratten auf das gegebene Virus reagieren. Und in der Tat scheint das Virus Danysz ein Spezifikum für die Feldratte zu sein. Roux verweist darauf, dass vom Virus Danysz die Feldratten allein — Arvicola agrestis — betroffen werden, während die von Europa nach Afrika eingeführten grossen Ratten zum Genus Mus gehören. Auf San Thome sind die Mus decumanus und die Mus rattus verbreitet, auf welche das Virus Danysz nicht berechnet ist. Jedoch ist die Möglichkeit der Herstellung eines speziellen Giftes für die 15 verschiedenen Repräsentanten der Gattung Mus nicht ausgeschlossen. Danysz selbst erklärt in einem Schreiben an Almada Negreiros,1) dass er es für möglich hält, die Ratten überall zu bekämpfen. Er sagt wörtlich: „Die Schaffung von künstlichen Epidemien zur Vernichtung der Ratten ist überall möglich, sie muss aber in jedem gegebenen Ort von kompetenten Personen studiert werden. Es sei also nicht unmöglich, in den portugiesischen Kolonien und speziell auf San Thome die Methode anzuwenden, die in Frankreich so interessante Ergebnisse geliefert hat. Ich würde aber verlangen, dass eine spezielle Untersuchung an Ort und Stelle von einem Assistenten des Laboratoriums angestellt werde." i) „Journal d'Agriculture Tropicale" 1904, Nr. 34, S. 125.