Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Rattenfrage
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 124 — Artikel gewährt einen Einblick in die Tragweite dieser Frage und empfiehlt einige . Bekämpfungsmittel, die im grossen und ganzen auch gegen Mäuse angewendet werden können. Nach einer Einleitung, die sich auf die Schäden durch Ratten auf Samoa bezieht, führt Dr. Soskin aus: Besonders schwerwiegend sind die Schäden, die die Ratten auf San Thome anrichten. Dort fressen sie jährlich den fünften Teil der Kakaoernte auf, die jährlich etwa 14 Mill. Kilo gross ist. Der Verlust kann auf jährlich über 3 000 000 Franken beim Kakao allein geschätzt werden, geschweige der Verwüstungen, die sie in den übrigen Kulturen der Insel verursachen. Sehr bedeutend ist auch die Rattenplage auf den britischen Antillen, speziell auf Trinidad. Auf Martinique ist der Schaden, den die Ratten auf den Zukerrohrplantagen verursachen, enorm. Dies sind nur wenige Beispiele der speziell in den tropischen Gegenden so gefährlichen Wirkung dieser Nagetiere. Schon aus den wenigen von uns gemachten Angaben über den seitens der Ratten angerichteten Schaden lässt sich mit Sicherheit schliessen, dass ihre Bekämpfung in den von ihnen heimgesuchten Gegenden zu den sehr wichtigen Fragen gehört. Ihre Bekämpfung ist nämlich sehr schwer. Sie zeichnen sich durch eine ausserordentliche Fruchtbarkeit und leichte Beweglichkeit aus. Nur wenige Paare reichen aus, um eine ganze Gegend in kurzer Zeit zu verseuchen. Wird ihnen an einem Orte zu stark nachgestellt, so verlassen sie in Scharen den ihnen zu heiss gewordenen Boden, um in die Nachbarschaft einzuziehen. Der Kampf gegen sie muss also unbedingt in einer gewissen Gegend gleichzeitig und S}rstematisch organisiert von den sämtlichen interessierten'Personen aufgenommen werden. Dass ein solcher Kampf auf einer Insel am leichtesten geschehen kann, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden. Es ist gewiss von Interesse, zu sehen, welche Mittel in verschiedenen Gegenden zur Bekämpfung der Ratten angewendet wurden. Einerseits sind es verschiedene Gifte, wie Strychnin, Phosphor und Arsenik, die gepulverte Meerzwiebel (Scilla maritima) und Fallen, die auf den Feldern und in den Pflanzungen ausgelegt werden. Anderseits, und dieser Vorgang schien anfangs zu viel greifbareren Resultaten zu führen, versuchte man, die natürlichen Feinde der Ratten — aus der Tier- und Vogelwelt — zu protegieren. Interessant sind in dieser Hinsicht die Erfahrungen, die auf Martinique gemacht wurden. Nach der Schilderung von Paul des Grottes im „Journal d'Agriculture Tropicale", Nr. 29, 1903, bediente man sich auf dieser Insel einer einheimischen giftigen Schlinge, die den Ratten mit Erfolg nachstellte. Aber die Einwohner der Insel sahen sich gezwungen, vielleicht auch nur aus Vorurteil, gegen diese Schlange (Trigonocephalus) selbst vorzugehen, und da verfiel man auf die Idee, Kröten auf der Insel einzubürgern, die die Schlange Vernichlen sollten. Zweifellos wurde die Kröte der Landwirtschaft durch die Vertilgung verschiedener schädlicher Insekten nützlich, sie bewirkten aber durchaus nicht den Untergang der Schlangen, die gemäss einem Aberglauben nach Genuss von Kröten sterben sollten. U. a. waren die Kröten bei der Vertilgung der Blutegel in den niedrig gelegenen, zum Teil sumpfigen Weideplätzen der Insel nützlich, weil die letzteren die Ausnutzung der Gründe durch Viehzucht unmöglich machten. Ebenso vernichteten sie mit Erfolg die Larven der Moskitos. Etwa, vor zehn Jahren wurde das Ichneumon (Pharaonsratte, Manguste) nach Martinique eingeführt, und zwar von Jamaika aus, wohin es 1872 aus Indien