Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Coethener Kurse für koloniale Technik
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266020-2267310--1001-2267344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 106 — Dr. Blau-Berlin, gewissermassen als Einleitung, die hierfür notwendigen Grundbegriffe, wie Pacht, Erbpacht, Rentengut usw. in einer einstündigen Vorlesung erklärt hatte, sprach Dr. Klee über einige Kapitel aus der Staatsverwaltung und dem Recht des osmanischen Reiches. Er gab einen Ueberblick über die Geschichte der Türkei und schilderte Ursachen und Entwickelung der grossen Reformperiode, die in den Edikten von 1839 und 1856 ihren Gipfel fand. Dann wurden die Gerichtsorganisation und die Zuständigkeit der einzelnen, geistigen und modern-staatlichen Gerichte, das türkische Bodenrecht, die Finanzverwaltung, das Steuersystem und das, besonders die Ingenieure interessierende, Bergrecht in grossen Zügen dargestellt. — Die Hörer haben somit von den Kolonisationswissenschaften im allgemeinen, besonders aber von denjenigen Wissensgebieten, aus denen allein ein Urteil über die Kolonisationsmöglichkeiten und -Formen für Palästina zu schöpfen ist, ein kurzes, aber abgerundetes Bild erhalten. Nachdem die zionistische Bewegung in das Stadium der praktischen Arbeit eingetreten ist, ist es Zeit, der erschreckenden Unkenntnis, die über das Land unserer Zukunft in grossen 'Kreisen der Judenheit, selbst der zionistisch gesinnten, herrscht, ein Ende zu bereiten. Die Kurse sollen aber weiterhin in ähnlicher Form wie die zu organisierenden Palästinareisen uns in intimer Weise mit Palästina verknüpfen und so zu einer wirksamen Waffe gegen etwa erwachenden Indifferentismus, gegen Zweifelsucht und mannigfache Verirrungen werden. Es muss, sei es auf dem zum erstenmal in Cöthen eingeschlagenen Wege oder in anderer Form, eine Zentrale der praktischen Palästinawissenschaften geschaffen werden. Wir haben bei diesem ersten Versuche Erfahrungen sammeln müssen. Es wird sich im kommenden Jahre vielleicht empfehlen, die Kurse in zwei Teile zu zerlegen, von denen sich, der erste mit den speziell technischen und überhaupt rein fachwissenschaftlichen Fragen der Kolonisation, der zweite ausschliesslich mit den praktischen Palästinafragen, soweit eine solche Scheidung durchführbar ist, befassen soll; dadurch wird es denjenigen Zionisten, die sich mit einer kurzen Uebersicht über die notwendigsten Palästinakenntnisse begnügen wollen, ermöglicht, sich dieses Wissen anzueignen, ohne zu einem vierzehntägigen Aufenthalt in Cöthen gezwungen zu sein. Auch, dürfte es sich empfehlen, in den Kursen Karten, Tabellen, Broschüren, Bibliographien oder kleine von der Kommission zur Erforschung Palästinas herauszugebende Nachschlagehefte an die