Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jüdische privatwirtschaftliche Ackerbaukolonien
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
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— 82 — Die Gruppen nach dem Bodenbesitz Durchschnittsbesitz in Dessiatin Familienanzahl Besitzfläche in Dessiatin Absolute Zahlen Relative Zahlen Absolute Relative _ 611 19,1 % _ _ Familien, die bis 5Dessiatin Land besitzen .... 3,8 483 15,2% 1822 5,1 % Die 5—10 Dessiatin be- 8,5 836 26,2 % 70951/s 19,8 %. Die 10—20 Dessiatin be- 15,3 728 22,9 o/„ IH2SV2 31,0. Die mehr als 20 Dessiatin 30,0 529 16.6 % 15857 44,1 11,3 3187 100 % 35903 100 o/0 Wir sehen also, class unabhängig von irgendwelchen unnatürlichen Einflüssen, sondern dank der natürlichen EntWickelung der Kolonien die allerunnatürlichsten Verhältnisse in dem wirtschaftlichen Leben der Chersoner Judenkolonien sich herausgebildet haben, so dass einerseits Ys aller Kolonisten überhaupt kein Land besitzen, während andererseits 1/ß der Kolonisten über fast die Hälfte des ganzen Bodenbesitzes verfügt. Noch lehrreicher ist folgende Tatsache: viele von den Familien, die viel Land besitzen, bearbeiten nicht selber ihren Boden, sondern begnügen sich einfach, ihren Besitz zu verpachten, und zwar an die besitzlosen Mitglieder der Kolonie. So z. B. verpachten 261 Familien von der letzten Gruppe (die mehr als 20 Dessiatin Land besitzt), d. i. 49,3% der ganzen Gruppe, einen Teil ihres Besitzes an andere Kolonisten. Die Kolonisten sind gezwungen, Land zu pachten, wie uns folgende Tabelle zeigt. Die Besitzlosen halten in Pacht 5802 Dess., auf jede Familie 9,5 Dess> Die bis 5 Dess. Besitzenden halten in Pacht 4004!/4 „ „ „ „ 8,3 „ Die 5—10 Dess. „ „ „ „ 62033/4 „ „ „ 7,4 „ Die 10—20 Dess. „ „ „ „ 2331i/4 „ „ „ „ 3,2 „ Die uber20Dess.Bes. verpachten an andere 6621/2 n „ „ „ 1,3 „ Nun 4 aber sind nicht alle Besitzlosen imstande, Land zu pachten, und so sind sie gezwungen, den Ackerbau zu verlassen und sich anderen Beschäftigungen zuzuwenden. Und diese gewaltigen inneren Umwälzungen entwickelten sich in weniger als 100 Jahren! Dieser Umstand führt auch dazu, dass die Methoden der Landwirtschaft nicht verbessert werden, und tatsächlich befindet sich die Landwirtschaft der jüdischen Bauern fast auf derselben primitiven Stufe wie bei den russischen Bauern.