Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jüdische privatwirtschaftliche Ackerbaukolonien
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266019-2267238--0953-2267283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 81 — -siedelung von Juden auf Staatsdomänen, sondern sogar ^den Xandkauf den Juden unmöglich machten. Und trotzdem beschäftigen sich heutzutage 100 000 Juden mit Ackerbau, und in den wirklichen jüdischen Bauernkolonien allein befanden sich im Jahre 1898 nicht weniger als 51 539 Seelen, die sich ausschliesslich mit Landwirtschaft beschäftigen und davon leben. Der Beweis, dass die Juden ziemlich schnell in wirkliche Ackerbauer umgewandelt werden können, ist somit längst erbracht. Nun aber müssen wir uns fragen, wohin haben diese russisch-jüdischen Bauern es gebracht. Die Untersuchungen der J. C. A. liefern uns auch darüber die genauesten Auskünfte. Die jüdischen Kolonisten im Chersoner Gouvernement erhielten von der Regierung dreissig Dessiatin (ungefähr 30 Hektar) Land für jede Familie; ausserdem wurden für jede Familie noch 10 Dessiatin Reserveland bestimmt. Leider aber bekamen die Kolonisten nie das Reserveland. Und im Jahre 1898, d. i. '94 Jahre nach dem offiziellen Beginn und 63 Jahre nach dem tatsächlichen Beginne der Kolonisation wurden folgende Verhältnisse konstatiert: 3187 Familien, bestehend aus 18 802 Seelen, besassen 35 903 Dessiatin Land, d. i. jede Familie besass nicht mehr 30, sondern nur 11,27 Dessiatin. Der Landbesitz jeder Familie verminderte sich in diesem Zeiträume um 62,4 %. Wenn dieser Durchschnitt nicht ein idealer, sondern ein realer wäre, wenn tatsächlich alle Familien zu je 11,27 Dessiatin Land besässen, wäre schon die Lage der Bauern keine glänzende, weil bei der primitiven Wirtschaftsform, die die russischen Landwirte betreiben, ein viel grösserer Feldraum notwendig ist, um eine Familie anständig zu ernähren. Tatsächlich aber liegen die Verhältnisse ganz anders. Nämlich: unter den verschiedenen Mitgliedern der jüdischen Kolonien ist das Land sehr ungleichmassig verteilt. Die Verfasser des zitierten Werkes erklären •diese Ungleichheit ganz natürlich. „Der Boden wurde den Familien abgetreten, unter denen er nie mehr aufgeteilt wurde, •obwohl diese Familien sich ungleichmässig vermehrten . . . Dann bildete sich in den Kolonien eine beträchtliche Anzahl von zeitweise Besitzlosen. Es waren die Familien der jungen Kolonisten, die nach ihrer Verheiratung von ihren Eltern sich absonderten, ohne von ihnen einen Anteil am Bodenbesitz zu erhalten." Und so können wir jetzt die allerschreiendsten Ungleichheiten unter den Kolonisten konstatieren, was wir am besten aus folgender Tabelle ersehen: