Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Die Sprache der Juden im Orient [Nachricht]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266017-2267100--0865-2267151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 32 — im Heer. Unter den Kaufleuten des türkischen Reiches figurieren sie mit an erster Stelle. David Bally, Lehrer in Bukarest, versichert, dass, wenn die spanischen Konsuln angewiesen würden, die spanisch sprechenden Juden in die Matrikel aufzunehmen, Spanien sehr bald über beinahe eine Million treu ergebener Untertanen mehr zählen würde. Und aus hundert anderen Aeusserungen, die Pulido in seinem Werk anführt, geht hervor, dass die spanischen Juden in bewusster Weise an der spanischen Sprache festhalten wollen. Unter solchen Umständen empfindet man es hier vielfach als eine moralische Pflicht, diese intellektuelle Annäherung, die vielleicht die Vorläuferin engerer Bande ist, weiter zu fördern und alle, die in der Ferne die nationale Sprache nicht nur bloss sprechen, sondern ihr auch von Herzen zugetan sind, wieder an das gemeinsame Vaterland zu fesseln. Archäologisches. Ueber die Doppelbüste von „Moses und Aaron", die sich jetzt in dem kürzlich gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes** in Jerusalem befindet, sendet der ehemalige Unterrichtsminister und Abgeordnete K. Papamichalopoulos, der gegenwärtig Kleinasien und Palästina bereist, der athenischen Zeitung „Athinae" einen längeren Bericht, über den die „Vossische Zeitung" vom 24. 8. 04 eine ausführliche Mitteilung erhält. Danach zeigen beide Figuren unverkennbar den echten Typus der israelitischen Rasse: das längliche Gesicht, die gebogene Nase, den herabfallenden Bart, das lange Haar wohl-' gepflegt und an den Schläfen gewellt, den scharfen Blick: zugleich aber verleiht der milde Ernst, die ruhige Erhabenheit, die sich in den Gesichtern der beiden Personen ausspricht, dem Kunstwerk einen hervorragenden Charakter. Das Kunstwerk wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 4 m unter der Erde auf dem Grund vor der jetzigen Metropole von Nazareth gefunden, und zwar zusammen mit einer Reihe anderer archäologischer Funde, wie Säulen und Kapitäle. Auf dem Platze stand früher ein von Justinian erbauter glänzender Tempel, der die Stelle der alten berühmten jüdischen Synagoge einnahm, wo nach der Ueberlieferung Christus gelehrt hatte und von seinen Volksgenossen verjagt worden war. Als die Büste ausgegraben war, wurde sie sofort von dem türkischen Mufti dem griechischen Metropoliten Nifon übergeben, der sie im Vorgarten der Metropole aufstellen Hess. Da sich aber die begehrlichen Blicke zahlreicher Antiquitätenfreunde und Archäologen auf sie richteten und verschiedene Male der Versuch gemacht wurde, sie zu entführen, beschloss der jetzige Metropolit von Nazareth, Theophanes, die Büste in Sicherheit zu bringen, und schenkte sie dem jüngst gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes" in Jerusalem. Einigermassen schwierig ist nun die Frage nach der Herkunft dieser Reliefbüsten. Gegenüber der Behauptung einiger Gelehrten, dass sie eine moderne Fälschung seien, muss auf die Fundumstände und darauf hingewiesen werden, dass sie zusammen mit anderen antiken Gegenständen ans Licht kamen. Dass in türkischer oder arabischer Zeit die Kunstübung in Palästina noch geblüht haben soll, ist schwerlich anz-unehmen. Dagegen wissen wir, dass seit dem dritten Jahrhundert v. Chr. bis zum vierten Jahrhundeit n. Chr. die griechische Kunst in Palästina in Blüte stand, deren Ueberreste noch heute in Heliopolis (Ba'albek) und Gerasa, Petrea etc. sichtbar sind. Dass ein Jude selbst die beiden Porträts geformt habe, in Uebertretung des göttlichen Gebotes, kein Bildnis noch Gleichnis zu machen, ist unwahrscheinlich, wenn auch nicht ganz unmöglich. Verantwortlich für den redaktionellen Teil von „Altneuland" Dr. S. Soskin, Berlin. Druck von Pass & Garleb, Berlin W. 35, Steghtzerstr. 11.