Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Das französische Protektorat über die Katholiken des Orients [Nachricht]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 3)
- Language
- German
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— 30 - „Germania" aus Konstantinopel geschrieben: „Es ist bekannt, dass die Stellung Frankreichs im Orient — namentlich in Palästina und Syrien — durch die religiösen und politischen Bestrebungen Russlands, die Frankreich wegen seines Bundesverhältnisses mit Russland nicht entschieden zurückweisen und bekämpfen durfte, eine gewisse Schwächung erfahren hat. Aber bei diesem Wettstreit handelt es sich für Russland um eine Beeinflussung und Gewinnung der griechischorthodoxen Kirche, während die Katholiken nach wie vor in Frankreich die Verteidigerin ihrer Interessen suchen und finden. Diejenige Institution, der nun die Republik ihre dominierende Stellung im Orient verdankt und die sie zur gegebenen Schützerin der Katholiken macht, ist das weitverzweigte Netz von Schulen, die französische Ordensmänner mit Unterstützung ihres Landes errichteten, ein Unternehmen, dessen weiterer Ausbau in den letzten Jahren mit besonderem Eifer betrieben wurde. Der ganze Orient ist mit solchen Schulen überschwemmt, deren Leiter und Lehrer nicht nur um die Vertiefung und Hebung der allgemeinen Bildung sich grosse Verdienste erworben haben, sondern die auch als Träger und Verbreiter französischen Geistes ihrem Vaterlande jene achtunggebietende Position und einen moralischen Einfluss verschafft haben, der alle anderen Nationen in den Schatten stellt. Wie gewaltig dies Werk der französischen Orden ist, ersieht man aus der Zahl der Schulen, die sie allein in Konstantinopel besitzen und die als ein aufklärendes Beispiel, da mir die Statistik für die ganze Levante fehlt, hier wiedergegeben sein möge. Nach dem „Almanach des Familles catholiques de Constantinople" bestanden hier im Jahre 1903 12 Knabenschulen mit 1390 katholischen und 721 nichtkatholischen Schülern und 11 Mädchenpensionate mit 2537 (1810 + 727) Schülerinnen; die Zahl der hiesigen Knaben und Mädchen, die ihre Ausbildung durch französische Ordensleute erhalten, beträgt demnach nahezu 5000. Aehnlich liegen die Verhältnisse in all den anderen Städten der europäischen und asiatischen Türkei, wo überall die Franzosen fast alleinherrschend sind. Selbst an den kleinasiatischen Bahnen, die in jeder Beziehung ein deutsches Kultur werk sind, und die durch die Erschliessung des Landes ein fruchtbares Feld für Schulgründlingen bieten, haben die französischen Patres und Schwestern ihre Pensionate aufgemacht, während es doch näher lag, dass unter dem Schutze Deutschlands deutsche Ordensmänner hier ihre segensreiche Tätigkeit entfalteten. Man hat damals diese Gelegenheit versäumt; es haben aber schon vor längerer Zeit Beratungen und Verhandlungen stattgefunden, die im Interesse unserer Stellung im Orient auch deutschen Genossenschaften die Eröffnung von Schulen erleichtern sollen. Die Vorherrschaft Frankreichs auf diesem Gebiete bleibt aber nach wie vor unbestritten. VERMISCHTES. Die Sprache der Juden im Orient. Ueber die kastilianische Sprache der Juden im Orient wird dem „Berliner Tageblatt" von seinem Korrespondenten geschrieben: Hervorragende spanische Schriftsteller haben in der letzten Zeit begonnen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine Angelegenheit zu lenken, die auch für weitere Kreise nicht ohne Interesse ist. Ich meine die Sympathiebewegung, die sich für die Juden im Orient regt, die 400 Jahre hindurch die kastilianische Sprache, die einst ihre Väter sprachen, wenn auch etwas korrumpiert,- treu bewahrt haben. Jüdisch-spanische Studenten-