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Altneuland · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 27

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Die Evangelisationsarbeit im heiligen Land [Nachricht]
Date
1905-01-01
Page
Seite 27 (sequence 2)
Language
German
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— 27 — Pilgerzüge war das Werk Friedrich Wilhelms IV. Er hielt es „für ein grässlich Aergernis, vor Türken, Juden und Christen des Orients", dass die Christenheit im heiligen Lande so zerrissen war. Deshalb war es sein Plan, eine Einigung unter den Christen zu erzielen und ihnen einen sicheren Schutz zu schaffen. In diesem Sinne sandte er 1840 eine Aufforderung an die Grossmächte Russland, Oesterreich und England. Erstere beiden lehnten jedoch ab, und nur mit England konnten die Verhandlungen fortgesetzt werden, die allerdings eine völlig andere Richtung nahmen. Das Vorgehen beider Mächte, Englands' und Preussens, beschränkte sich auf das kirchliche Gebiet, und so kam es zur Errichtung des gemeinsamen evangelischen Bistums in Jerusalem Ende des Jahres 1841. Am 21. Januar 1842zog als erster Bischof Michael Salomon Alexander in Jerusalem ein. Nach seinem Tode folgte der hervorragende Bischof Samuel Gobat. Der vornehmste Zweck des Bistums, ein einigender Mittelpunkt für die evangelischen Christen zu werden, wurde vollkommen erreicht. Ein weiteres bleibendes Verdienst hat sich Friedrich Wilhelm IV. erworben durch Gründung und Erhaltung des Johanniterhospizes in Jerusalem, das zunächst zur Aufnahme für wandernde deutsche Handwerksburschen bestimmt war, aber auch bemittelten- Reisenden gastliche Aufnahme und ein behagliches Heim bietet. Bedeutsamer aber noch als die Errichtung dieses Hauses ist für die deutsch-evangelische Mission im heiligen Lande ein drittes Werk Friedrich Wilhelms IV. geworden, die Gründung der deutsch-evangelischen Gemeinde in Jerusalem. Anfang des Jahres 1852 zog der erste deutsche Pastor in Jerusalem ein. Heute zählt die Gemeinde, die sich aus deutschen Kaufleuten und Handwerkern, sowie denen, die in den verschiedenen deutsch-evangelischen Liebesanstalten tätig sind, zusammensetzt, etwa 300 Seelen. Die Gottesdienste wurden anfangs in der englischen Christuskirche, später in der auf die Initiative des Kaisers Friedrich III. auf dem Murist an errichteten Kapelle abgehalten, bis die Gemeinde am 31. Oktober 1898 unter der Teilnahme Kaiser Wilhelms II. und seiner Gemahlin ihren feierlichen Einzug in die Erlöserkirche halten konnte. Inzwischen war das evangelische Bistum in Jerusalem als gemeinsames Bistum für England und Preussen aufgelöst, da England nur eine untergeordnete Stellung in der Verwaltung Preussen einräumte. 1886 wurde der Vertrag mit England gelöst und das Bistum seitdem von England allein verwaltet. Die deutsch-evangelische Arbeit im heiligen Lande wurde aber im Sinne Friedrich Wilh elms IV. fortgesetzt und gesichertem:ch unseren Kaiser Wilhelm IL, welcher am 22. Juni 1889 „die Evangelische Jerusalems-Stiftung" errichtete „zur Erhaltung der bestehenden, sowie Schaffung neuer evangelisch-kirchlicher Einrichtungen und Anstalten in Jerusalem und zur Unterstützung der evangelischen Gemeinde daselbst". Die deutsch-evangelische Mission im weiteren Umkreis des heiligen Landes, auch über die Grenzen Jerusalems hinaus, treibt dagegen seit nunmehr 52 Jahren der Jerusalems-Verein. Gegenstand der evangelischen Arbeit sind grundsätzlich alle Bewohner Palästinas, ob Juden. Mohammedaner oder Christen; in der Hauptsache jedoch gilt die gegenwärtige Missionsarbeit der deutschevangelischen Kirche den orientalischen Christen, vor allem den griechischorthodoxen Arabern. Ihr Ziel sucht die Mission zu erreichen durch Gründung von Tagesschulen für Knaben und Mädchen, die bei der grossen Unwissenheit und dem finsteren Aberglauben der orientalischen Christen eine Notwendigkeit sind, ferner durch Errichtung von Waisenhäusern und Erziehungsanstalten, durch Sammlung von arabisch-protestantischen Gemeinden und Verkündigung des Wortes Gottes in der Landessprache, endlich durch selbstlose Liebestätigkeit in den

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