Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Petroleumquellen in Mesopotamien [Nachricht]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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- Baku 1× ep/1000527
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— 24 — russischen Interessen sehr ungünstig einwirken. Das Naphtha von Baku, welches auf den Marktplätzen des nahen Ostens einen festen Absatz gewann und alljährlich immer grössere und grössere Ausbreitung erfuhr, wird wohl von diesen Marktplätzen durch das mesopotamische Naphtha verdrängt werden. Es wird auch das weitere Vordringen des russischen Petroleums nach Ostasien dadurch zum Stillstand gebracht werden, wo dieses gegenwärtig mit dem nordamerikanischen Petroleum nicht nur mit Erfolg wetteifert, sondern das letztere nach und nach verdrängt. Den Marktplatz im Deutschen Reiche wird die russische Naphthaindustrie ebenfalls verlieren, da die deutschen Unternehmer mit allen Mitteln für die Verbreitung des mesopotamischen Petroleums innerhalb des deutschen Reichsgebietes wirken werden. Ja, sogar in ganz Westeuropa wird der Verbreitung des russischen Petroleums ein harter Schlag gegeben werden; die Petroleumpreise werden überall sinken, jedoch gerade nur soviel, um die Konkurrenz des russischen Petroleums zu vernichten. Jedoch die Ausbeutung der Naphthaquellen in Mesopotamien wird nicht nur von dem Standpunkte des nachteiligen Einflusses auf die russische Naphthaindustrie für diese höchst ungünstig sein. Man kann nicht ausser acht lassen, dass infolge dieser Ausbeutung der reichsdeutsche Einlluss im Zentrum Mesopotamiens selbst, am Knotenpunkte der Karawanenwege Südost- Asiens, sich erst einbürgern wird. In der bis jetzt öden Gegend, welche von den beständigen Ueberfällen arabischer, im Norden auch kurdischer Nomadenstämme verwüstet wird, wird ein Industriegebiet geschaffen werden, dessen Gravitationssphäre sich auf die Asiatische Türkei, Persien und den Persischen Golf ausdehnen wird. Die politische Bedeutung dieses neuen reichsdeutschen Zentrums im türkischen Orient wird ohne Zweifel sehr gross und überaus mannigfaltig sein, denn die Herren im Deutschen Reiche verstehen es, in der Ausnutzung der ihnen vom Himmel gesandten Geschenke sehr erfindungsreich zu sein. JUEDISCHE KOLONIEN. Landwirtschaftliche Chronik der jüdischen Kolonien in Palästina. (Originalbericht.) Das letzte landwirtschaftliche Jahr hat unter den besten Vorzeichen begonnen. Die wohltuenden Regengüsse haben das Mittelmass überschritten, sowohl durch ihr frühzeitiges Eintreffen als auch durch das Quantum der Niederschläge. Der Boden befand sich also in einem genügend gesättigten Zustande, um die erste Saat entgegenzunehmen. Regen und schönes Wetter folgten so günstig aufeinander, dass die Ackerbauer in den Zwischenzeiten vollständig genügend Zeit hatten, um ihre Felder bei den vorteilhaftesten Bedingungen bestellen zu können. Die Feldbestellung lässt das Beste hoffen, die Aufgänge sind gut und regelmässig und hatten weder von Unkräutern, noch von Insekten und Nagern zu leiden. Der Versuch, die Felder noch vor Eintritt der Regen zu bestellen, welcher von Hedera aus auf alle anderen Kolonien sich ausgebreitet und während einiger Jahre hintereinander die glänzendsten Erfolge geliefert hatte, musste in diesem Jahre unterlassen werden. Die Furcht vor den Nagern, die noch im Ueberflusse vorhanden sind, hielt die Kolonisten davon zurück, ihre Saat der Erde vor Eintritt des Regens anzuvertrauen. Die Ackerbauer beginnen wiederum Mut und Hoffnung zu gewinnen, aber die schlechte ökonomische Lage, die durch das letzte unglückliche Jahr verur-