Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Petroleumquellen in Mesopotamien [Nachricht]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266017-2267096--0847-2267141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 22 — sowie schliesslich auch im allgemeinen. Die Rinnsale des Erdöls bildeten zähe Sümpfe, in die Mensch und Tier versanken, kleine Seen und träge Bäche, die in Wasserläufe münden und, hier an der Oberfläche, dort am Grunde, sich absetzen. Der Betrieb der gewöhnlich der Zivilliste des Sultans gehörenden Ouellgebiete ist jetzt an Eingeborene verpachtet, die nur für den Tagesbedarf arbeiten und sich darauf beschränken, in härtere Asphaltmassen Löcher von etwa 4 m Tiefe und 10 m Durchmesser zu graben, um die sich stets von selbst ersetzende Masse sich etwas klären zu lassen und sie leichter schöpfen zu können. Oft finden sich Schwefelquellen in der Nähe, die als ursprüngliche Heilbäder benutzt werden; bei El Kijata, zwischen Mossul und Bagdad am Tigris, mischen die Eingeborenen sogar eine schwefelhaltige Erde bitteren Geschmacks mit Wasser zu einem Trank, dem sie Heilkraft zuschreiben. Die Zivilliste erzielt heute aus allen Quellen nur eine Einnahme von etwa 20 000 M. jährlich, obgleich die Ergiebigkeit mancher Punkte sich mit der der Quellen Bakus vergleichen lässt. Wäre die Verwertung dieser Bodenreichtümer besser entwickelt, so würde der Kurdenschech als Wegelagerer aufgetaucht sein, um seinen Zoll zu erheben, ungeachtet der Betonung seiner Ergebenheit für den Padischah.. Im Wilajet Mossul sind es folgende Punkte, die hier in Betracht kommen: Sachu, drei Tagereisen von Mossul, leichter Zugang, reiche Quellen; Mimrud, von Mossul in fünf Stunden mit dem Floss auf dem Tigris zu erreichen, dunkelfarbiges Erdöl, Bohrungen dürften besseres Oel liefern; Gurgur, an der grossen Strasse Mossul-Bagdad, reiche Quelle, im Besitz einer kurdischen Familie aus Kerkuk, hier entströmen dem zerklüfteten Boden an einer Stelle Gase, die sich entzündet haben; Tushurmatly, südlicher an derselben Strasse gelegen, reiches Asphaltlager von 4—5 m Dicke; Kifri oder Salahieh, südöstlich von Tushurmatly, weniger ergiebig, starke Lager reinen Asphalts, der auch nach Bagdad ausgeführt wird; Gill, ein kurdisches Bergland, achtzehn Stunden nördlich von Salahieh, zahllose Quellen, gutes Petroleum, Ausbeutung oft durch Kurden gestört; Karadagh, kurdisches Bergland nördlich von Gill, weniger ergiebig, aber auch weniger untersucht und besucht; El Kejata, auf de,m rechten Tigrisufer, 80 km südlich Mossul, Petroleumsee, 300 m im Durchmesser, grosse Asphaltlager. Im Wilajet Bagdad ist Mendeli an der persischen Grenze zu erwähnen. Hier gibt es „schlagende" Quellen, die in Säulen mehrere Meter hoch aus dem Boden hervorspringen; Möglichkeit grossen Ertrages; ferner Nephata am Euphrat, fünf Stunden von Hit, mehrere Brunnen immer gleichen hohen Erdölstandes, wieviel man auch abschöpfen möge. Schliesslich gehören noch die Erdpechquellen von Hit selbst hierher, die unter hohem Druck Massen Erdpech aus dem Erdinnern drängen. Man darf wohl annehmen, dass eine verständige und unternehmende Verwaltung dieser Bodenschätze dem Staate Vorteile bringen werde, vorausgesetzt freilich, dass die Steuerfreiheit der Güter des Sultans nicht auch auf die Erträge dieser Quellen ausgedehnt wird. Die meisten der petroleumreichen Gebiete liegen seitab der für die zukünftige Bagdadbahn in Aussicht genommenen Strecke, aber immerhin in erreichbarer Nähe. Kein Zweifel, dass die Bahn und eine regelmässige Ausbeutung der Quellen einander nützen werden; ein ordentlicher Betrieb der Naphthamdustrie ist aber nur unter der Voraussetzung möglich, dass dem Unwesen kurdischer Raubritter gesteuert wird. So geht in der Türkei die Erschliessung der Bodenreichtümer Hand in Hand mit allmählicher Ueberführung der Lebensformen aus halbbarbarischem Zustande in die Kultur. „Der Parlamentär", Wien, berichtet noch hierüber unter dem 25. September 1904: