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Altneuland · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. Seite 19

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
Die Fruchtbarkeit Palästinas [Nachricht]
Date
1905-01-01
Page
Seite 19 (sequence 1)
Language
German
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— 19 — PALAESTINA UND NACHBARGEBIETE. Die Fruchtbarkeit Palästinas. Ueber die Fruchtbarkeit von Palästina herrscht leider noch immer die erstaunlichste Unkenntnis. Der Grund ist wohl ein zweifacher: einerseits ist zufällig" die allernächste Umgebung" der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem wenig angebaut,*) ebenso die nähere Umgebung von Jerusalem, und der Weg von Jerusalem nach dem Jordan führt durch eine sehr öde Gegend, teilweise sogar durch, die Wüste Juda; andererseits vermag ein Mitteleuropäer sich schwer ein richtiges Urteil über die landwirtschaftliche Eignung des sommertrocknen Mittelmeergebietes zu bilden und überträgt vielfach unseren Beurteilungsmassstab irrtümlicherweise auf jene Gegenden. Neuerdings sind zwei derartige Aussprüche über die Fruchtbarkeit Palästinas verbreitet worden, die wir nicht wegen der Sachverständigkeit, sondern wegen der Bedeutung ihrer Urheber hier wiedergeben wollen. Sie beweisen freilich nur, wie oberflächlich sich die betreffenden Personen Palästina angesehen haben müssen, vorausgesetzt, dass die Berichterstatter die Aussagen korrekt, d. h. ohne vielleicht unbewusste Akzentuierung, wiedergegeben haben. Die erste Notiz stammt aus dem Israelitischen Familienblatt vom 26. Mai 1904. Danach soll der bekannte Schriftsteller Ludwig Fulda einem Interviewer gesagt haben: „Abgesehen vom Jordantal, ist ganz Palästina eine traurige Oede. Hier kann meiner Meinung nach kein neuer Wohlstand erstehen. Palästina ist tot. Auf seinem steinigen Boden lässt sich kein Ackerbau treiben — wovon sollen die Leute hier leben? Ich kann daher an eine Erfüllung des zionistischen Gedankens, der den Juden hier wieder die Heimat gründen will, nicht glauben." Wir sind in der angenehmen Lage dieser Notiz des Interviewers die folgende Erklärung des Herrn Dr. L. Fulda gegenüberzustellen. Herr Maler Hermann Struck in Berlin schreibt uns unter dem 2. 1. 05 folgendes: „Die in dem qu, Artikel zitierten Aeusserungen des Herrn Dr. Ludwig Fulda sind einem Interview entnommen, dass — wie es bei solchen „Fragespielen u nicht anders sein kann — die Gedanken des Herrn Dr. Fulda nicht korrekt wiedergibt. Herr Dr. Fulda ermächtigt mich zu erklären, dass er Palästina nur als flüchtiger Tourist bereist hat und sich daher selbst nicht für befähigt hält, über die wirtschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten des Landes ein kompetentes Urteil abzugeben. Er hat nur einen Zweifel ausgedrückt, ob die politischen und natürlichen Verhältnisse des Landes die Garantie für das Gedeihen einer nach Millionen zählenden Kolonie geben, steht aber im übrigen den Bestrebungen des Zionismus — dessen tiefe Berechtigung er durchaus anerkennt — soweit sie das Los der gedrückten Stammesgenossen zu heben geeignet sind, mit voller Sympathie gegenüber." Der andere, vielleicht noch gewichtigere Ausspruch soll von dem deutschen Reichskanzler, dem Grafen von Bülo w, stammen, der nach der „Neuen Freien Presse" dem Wiener Schriftsteller Sigmund Münz gesagt haben soll (s. Berliner Tageblatt 8. Oktober 1904): „Ich habe nicht leicht ein so unfruchtbares Land gesehen wie Palästina." Nach dem Referenten leuchte es daher dem Reichskanzler *) In den letzten Jahren macht sich hierin eine entschiedene Wendung zum Besseren bemerkbar: Die Umgebung der Eisenbahnlinie gewährt einen immer freundlicheren Anblick durch die schönen Felder in der Ebene Saron und die angebauten Terrassen bei Jerusalem. D. Red.

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