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Altneuland · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
[Rezension]
Date
1904-11-01
Page
Seite 346 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 346 — so an Schlichtheit und Tätigkeit gewöhnt, so gibt man ihnen je 300 Dunam Land, ein Häuschen vou zwei Zimmern mit Küche und Stall und einige tausend Francs zum Ankauf von Ackergeräten, Vieh u. a. m. Sobald die erste Ernte hereingebracht ist, überlässt man die Leute sich selbst. Sie führen ganz unabhängig ihre Verwaltung, werden von niemand kontrolliert, wissen aber auch, dass sie von niemand und unter keinen Umständen etwas zu erwarten haben. Die Administration spielt nur die Rolle eines Protektors gegenüber den Behörden, etwa so, wie der deutsche Konsul für die Templer von Sarona und Haifa. Ausserdem wird für Arzt, Apotheke und Schule provisorisch gesorgt, d. h. bis die Kolonie Mittel hat, sich auch in dieser Hinsicht unabhängig zu machen. Und der Erfolg war, dass die Bauern in den zwei, nach diesem System errichteten Dörfern schon nach Ablauf eines Jahres völlig selbständig waren, keine Zuschüsse verlangten und zufriedener waren als die Bauern der alten Dörfer. In Sedjera hat die J. C. A. auf einem grossen Terrain eine Musterfarm angelegt. Nur mit jüdischen Tagelöhnern hat man das Land gerodet, Getreide gesäet und geerntet. Von morgens 1/26 Uhr bis zum Abend wird auf den Feldern gearbeitet. Es wird praktische Viehzucht getrieben, und hier fanden wir auch die Frauen tätig auf den Feldern, was ich für einen besonderen Erfolg halten möchte, da wir sonst nirgends arbeitende Frauen gesehen haben. Sedjera deckt schon jetzt im zweiten Jahre fast die Betriebskosten, im nächsten hofft man nicht unerhebliche Ueberschüsse zu erzielen. Es wird also das Anlagekapital verzinst, und gleichzeitig werden wirkliche Bauern herangebildet, Bauern, die in harter körperlicher Arbeit erzogen sind, die neuesten Ackergeräte, die besten Ackerbaumethoden kennen und so bei einer späteren Kolonisation ein vorzügliches Menschenmaterial abgeben werden. In Sedjera sahen wir auch „Gerim" — zum Judentum übergetretene Russen — die als fromme jüdische Bauern in der Kolonie leben. Wir besahen Mesha, das malerisch am Fusse des Tabor liegt. Die Häuser sind noch nicht durchweg vollendet, die Leute kampieren meist in den bereits fertigen Ställen. Jedes Haus, enthält Küche und zwei Stuben, dahinter liegt der geräumige Hof mit Tenne, Scheune und Stall. Alles ist einfach und doch geräumig. Die Felder sehen vorzüglich aus, bei den Unterhaltungen hören wir stets nur von Hoffnungen, Arbeitslust und Freude am Boden. Hier hat man eben richtig mit der menschlichen Natur, ihren Vorzügen und Schwächen gerechnet und weiss nun, wie man in Zukunft vorzugehen hat. Die J. C. A. wird sich dem Eindruck dieser Erfolge nicht entziehen können und weiter kolonisieren müssen, nun man ihr den Nachweis geliefert hat, dass die Kolonisation wohl fortzuführen ist. Welche Gründe will sie heute noch für ihr „Nein" anführen?" VERMISCHTES. Die Hedschasbahn (Chemin de fer Hamidie du Hedjaz). Gelegentlich der Eröffnung der Mekkabahn gibt der Deutsche Reichsanzeiger unter dem 12. Oktober einen ausführlichen fachmännischen Bericht, den wir bei der eminenten Bedeutung der Bahn auch für unsere Ziele hier vollständig wiedergeben wollen.

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