Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Die Kolonien in Palästina nach dem Bericht der Jewish Colonization Association für das Jahr 1903
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 343 (sequence 6)
- Language
- German
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— 343 — wodurch die Anschaffung neuer Maschinen ermöglicht wird. 26 Maschinen sind schon seit der Gründung des Werkes verteilt. Die D arlehnskasse wurde vor 3 Jahren mit 50 000 Frcs. begründet; infolge der Zinszahlungen beträgt ihr Kapital jetzt 55 758 Frcs.; sie hat bisher 151 913,80 Frcs. an 230 Personen ausgeliehen und 96 839,70 Frcs. zurückerhalten; 116 Darlehen schweben noch; die Schuldner, bestehend aus Arbeitern, kleinen Kaufleuten, Händlern und Ladeninhabern sowie einigen Kolonisten, meist in Jerusalem, einige auch in Jaffa; sie zahlen mit wenigen Ausnahmen regelmässig ab; übrigens geben sie Garantien. Die Arbeiterwohnungen in Jerusalem haben jetzt die Zahl von 3+ Häusern erreicht die ein kleines „Nahalat Zion" genanntes Stadtviertel bilden mit Badeofen, Zisterne, Synagoge etc. Die Totalausgaben dafür betrugen 79 182,15 Frcs, die bisherigen Eingänge seitens der Erwerber sind 8191,25 Frcs. Die Werk'stätte für Frauen beschäftigte 35 Lehrlinge mit der Haarnetz- Industrie; einige erwarben schon 0,75 — 0,85 Frcs. pro Tag. Auch in Damaskus wurde diese Industrie jetzt eingeführt. Aus Mangel an Lehrerinnen konnte die Spitzen-Fabrikation bisher in diesem Jahre nicht betrieben werden. Vor 2 Jahren berichtete die J. C. A., dass schon 1900 zwei junge Mädchen nach Belgien zur Ausbildung in der Spitzenfabrikation gesandt wurden, die im September 1901 zurückkehrten. Es scheint hier also das, was wir oben gelegentlich der Färberei sagten, eingetroffen zu sein. Installierung von Lehrlingen. Es wurden zwei Handwerker in Damaskus, einer in Jerusalem mit kleinen Vorschüssen unterstützt. Auch einigen Kolonisten in Artouff wurden Vorschüsse gegeben. Auswanderung. Leider figuriert auch in diesem Jahre diese heikle Rubrik in dem Jahresbericht der J. C. A. Sie trug zur Auswanderung von 40 Personen nach Amerika, Aegj^pten und Transvaal bei. Wir können ohne Kenntnis der betreffenden Fälle kein Urteil darüber fällen, ob diese Unterstützung im antizionistischen Sinne wirklich geboten war; wir hoffen aber, dass diese hässliche Rubrik möglichst bald aus den Berichten verschwinden möge. Gerade die Förderung der palästinensischen Industrie ist ein Gebiet, auf dem die Jewish Colonization Association mit dem Jewish Colonial Trust resp. der Anglo-Palestine Co. ohne Verletzung ihrer Prinzipien sehr gut zusammen arbeiten könnte. Die Lage der Kolonie Metuleh. Der Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums, Berlin berichtet hierüber aus Palästina am 8. August 1904: Aus der im Norden Galiläas gelegenen 1152 ha umfassenden jüdischen Kolonie Metuleh kommt eine gute Nachricht: Die Ansiedelung wurde im Jahre 1896 durch die Beamten des Baron Rothschild von einem türkischen Effendi erworben, der sein Gut^ durch drusische Pächter bewirtschaften liess. Unmittelbar nachdem der Kauf perfekt geworden war, traten die Drusen mit der Behauptung hervor, dass die Häuser der Kolonie ihr Privateigentum seien und forderten für diese besondere Bezahlung. Ihrer Forderung suchten sie dadurch Nachdruck zu verleihen, dass sie die Kolonie überfielen, das Vieh entführten und des Nachts durch die Fenster in die Häuser Schossen. Alle Versuche, sich mit den Drusen gütlich auseinander zu setzen, scheiterten an den unverschämten Forderungen der letzteren, die nicht weniger als 50 000 Frcs. Schadensersatz verlangten. Die Behörden hüteten sich, in den Streit einzugreifen, da sie aus Erfahrung wissen, welch schlimme Gesellen die