Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Jüdische Kolonisation in Rio Grande [Nachricht]
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 316 (sequence 3)
- Language
- German
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— 316 — Anzahl von Jahren ratenweise abgetragen werden, und zwar erhebt die Gesellschaft nur massige Zinsen und gewährt gewisse Erleichterungen in Fällen von schlechter Ernte oder sonstigem Missgeschick. Aber die Hauptsache ist, dass der Kolonist alles, was er erhält, auch durch seiner Hände Arbeit bezahlen muss. Es ist schon bemerkt worden, dass die Gesellschaft nicht auf Gewinn ausgeht. Die Zinsen werden dann auch nicht als Dividende verteilt, sondern dem Kapital der Gesellschaft zugeschlagen, die dadurch in die Lage kommt, ihre humanitären Ideen in grösserem Massstabe zu verwirklichen. Man wird auf die Entwicklung dieser Ansiedlung, die den Namen „Kolonie Philippson" erhalten hat und für welche bereits im April der Zuzug der ersten 80 jüdischen Familien erwartet wurde, in zweifacher Hinsicht gespannt sein dürfen. Einmal deshalb, weil dieser Versuch zeigen wird, ob der Jude nach einer jahrtausendelangen Entwöhnung von bäuerlicher Tätigkeit heute noch die zu einer .solchen erforderlichen Eigenschaften1) besitzt, zum andern Male, weil, wenn letztere sich als vorhanden erweisen sollten, das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu ^der vielumstrittenen Frage der Kampkolonisation liefern dürfte. NEUE LITERATUR. Prof. Dr. theol. Freiherr von Soden: Palästina und seine Geschichte Sechs volkstümliche Vorträge. Mit zwei Karten, einem Plan von Jerusalem und sechs Ansichten des Heiligen Landes. Zweite, verb. Aufl. Leipzig und Berlin. B. G. Teubner. 1904. 112 S. 8°. Bdch. 6: „Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Das Buch würde falsch beurteilt werden, wenn man etwas anderes in ihm suchte als predigtartige Vorträge, die populär darstellen, was sie aus dem reichen Wissensschatz herausgreifen, der in wissenschaftlichen und halb wissen schaftlichen Werken aller Art in überreicher Fülle vorhanden ist. Ueber das Homiletische zu urteilen überlassen wir billigerweise den Theologen derjenigen Konfession bezw. Religion, auf deren Anhänger diese Vorträge erbaulich wirken sollen. Von Eigenem gibt der Autor nichts, was zur Kunde von Palästina in geographischer, historischer, ethnologischer oder sonstiger Beziehung beitragen könnte. Der ■erste Vortrag über die weltgeschichtliche Bedeutung, Lage und Beschaffenheit des Landes philosophiert über die Landesnatur, ohne dem etwas Neues zu bieten, •der das Land kennt, oder dem etwas irgendwie Anschauliches zu geben, der das Land nicht kennt. Dasselbe gilt von dem historischen Philosophieren in den anderen Abschnitten. Im allgemeinen ist ja Philosophie der Geschichte noch lange nicht etwas der historischen Wahrheit Entsprechendes, aber populäre Predigten beanspruchen noch weniger, Geschichte zu sein. Eine wirtschaftlichen Zielen nachstrebende Zeitschrift ist nicht der Ort, geschichtliche Auffassungen einer Kritik zu unterziehen; hingegen dürfte es immerhin von Interesse sein, zu erfahren, wie Soden sich zu den Tatsachen der jetzigen Bevölkerungsverhältnisse Palästinas stellt. Wenn ein immerhin ernster Forscher wie Schurer!) Dieser Beweis wurde ja schon vielfach erbracht, so in Russland, Palästina und Argentinien, und es dürfte schon heutzutage kein Zweifel über die Eignung der Juden zur landwirtschaftlichen Beschäftigung aufkommen. D. Red.