Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 290 — westlich von dieser Linie treffen wir schon die am weitesten gegen die syrisch-afrikanische Tafelmasse vorgeschobenen Aussenfalten des Taurussystems an. Gebirgszüge, Täler (Nahr el-Kebir, 'Afrin, Unterlauf des Orontes bei Antiochia), Küstenumrisse (Golf von Alexandrette) erhalten vorherrschend die diesem Gebirgssystem eigentümliche Richtung Nordost-Südwest, welche wir sonst in Syrien — vom Libanon, der Bekäca und dem Antilibanus abgesehen — nicht vorfinden. Aber es ist nicht nur die äussere Form, sondern auch der innere Aufbau, welcher die Gebirge dieses nördlichsten Syriens vom übrigen trennt und mehr Beziehungen zuKleinasien hat. Gesteinsarten, geologischeFormationen, die man im eigentlichen Syrien gar nicht kennt, beteiligen sich an der Zusammensetzung, so devonische Schiefer, Grauwacken und Kalke, Diabase, jüngere Gabbros und Serpentine verschiedener Art. Eine gleichzeitige Behandlung des geologischen Baues beider so verschiedenen Teile Syriens würde diese Abhandlung .zu sehr erweitern und dadurch bei der beabsichtigten Disposition •des Stoffes die Uebersicht erschweren. Da die Leser dieser Zeitschrift doch wohl in der Hauptsache das eigentliche Syrien mehr interessiert, so wollen wir fürs erste uns auf dessen Beschreibung 'beschränken und uns das mehr kleinasiatische Syrien, welches wir kurzweg das Taurische Syrien nennen wollen, eventuell für eine spätere Abhandlung im nächsten Jahre vorbehalten. Auch die äusserst komplizierte Sinaihalbinsel wollen wir, obwohl sie in ihrer ganzen Breite mit Palästina eng zusammenhängt, höchstens gelegentlich zu kurzem Vergleich beirücksichtigen. Das so übrig bleibende eigentliche Syrien, im engeren Sinne „von der Bucht von El-4Arisch bis zu der von Dschebele, zerfällt seiner Länge nach in drei Teile, Südsyrien oder Palästina bis zum Nahr el-Käsimije oder Leontes, Mittelsyrien oder das Libanon- und Antilibanusgebiet bis zum südlichen Nahr el-Kebii* nordöstlich Taräbulus und Nordsyrien zwischen den beiden Nahr el-Kebir. Ebensowohl ausgeprägt ist aber eine Quergliederung des Landes in Ostwest-Richtung. Ein grosser Talzug durchzieht im allgemeinen parallel der Küste das ganze Land in Südnord-Richtung. Ihm gehören die wichtigsten Flüsse an, der Jordan, der Leontes (Litäni) und der Orontes {Nahr el- Asi). Auf diese Weise gliedert sich das eigentliche Syrien auf natürlichste Weise in folgende neun Teile: das West-