Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Damaskus. Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 279 (sequence 2)
- Language
- German
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— 279 — In der Orontesgegend zwischen Ba'albek und Horns werden schwere, schwarzrote und blaurote Wollteppiche angefertigt. Die Hauptabsatzmärkte für die Erzeugnisse der syrischen Webeindustrie sind Konstantiaopel, Smyrna und Aegypten. Die Gerberei ist in den letzten Jahren stetig geblieben; es wurden im Berichtsjahre etwa 180 000 Schaffelle und 90 000 Ziegenfelle gegerbt und von letzteren 3/4 rot und 1/4 gelb gefärbt; das Schaf- und Ziegenleder dient zur Anfertigung von rohen Schuhen und Stiefeln für die Landbevölkerung. Von den im städtischen Schlachthause geschlachteten Schafen wurden etwa 2000 dz Gerberwolle gewonnen, die zu 2/3 ausgeführt wurden — zum grössten Teil nach Frankreich — und zu 1/3 dem inländischen Bedarfe dienen. Im Berichtsjahre waren nur vier Seifensiedereien im Betriebe, die zusammen etwa 4000 dz Seife erzeugt haben. Wegen der missratenen Olivenernte hat man fremdes Oel verarbeiten müssen, das zu etwa 7/8 von der Insel Mytilene geliefert worden ist; man hat auch einige andere Oelprovenienzen versucht, aber ohne Erfolg. Die Tischlerleimfabrikation ist mit etwa 80 dz bedeutend hinter der Erzeugung früherer Jahre zurückgeblieben, der Artikel wird nach wie vor, soweit er nicht im Lande Verwendung findet, nach Aegypten ausgeführt. Von den bestehenden 31 Stärkefabriken waren im letzten Jahre nur 21 mit etwa 80 Arbeitern und 21 Tieren in Tätigkeit, sie haben zusammen täglich 250 kg für die Webeindustrie als Schlichte dienende flüssige Stärke und 500 kg trockene Stärke geliefert. Die vorjährige Erzeugung von Stricken und Bindfaden beziffert sich auf etwa 2000 Tonnen. Aus der ungewöhnlich geringen Olivenernte 1900/01 konnten nur 250 dz Oel gezogen werden. Die Goldschmiedekunst hat im verflossenen Jahre sehr danieder gelegen und die Waffenschmiedekunst ist im Niedergange begriffen. Ziemlich zufriedenstellend waren die Ergebnisse der Kunsttischlerei, die mit Perlmutter und Bein verzierten und geschnitzten Möbel erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit in Europa und Nordamerika. Weniger begehrt waren im letzten Jahre die Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände aus Messing, wie gravierte und mit Silber verzierte Teebretter, Aschenbecher, Spülschalen, Moscheenlampen, Vasen etc. Die Damaszener Sattlerwaren und Lederzeugfabrikate verdienen kaum noch den grossen Ruf, welchen sie von alters her haben, sie zeichnen sich zwar durch grosse Mannigfaltigkeit aus, werden aber in der Güte immer geringer. Erwähnenswert ist noch das Wagengeschäft, das hier von Jahr zu Jahr an Ausdehnung gewinnt. Aus einzelnen Teilen, die Europa liefert, werden hier sehr wohlfeile Wagen hergestellt: so kostet ein Mylord- (Viktoria-) Wagen hiesiger Fabrikation nur etwa 600 M. Das Material ist allerdings schlecht und die Haltbarkeit der Wagen deshalb eine sehr geringe. Verkehrswesen. Die Verkehrsmittel des Wilajets haben durch die Reyäk—Hamä-Eisenbahn, welche in ersterem Orte an die Hauptlinie Beirut—Damaskus anschliesst und als neue Teilstrecke der zukünftigen Linie Konstantinopel—Kairo gedacht ist, deshalb auch normale Spurweite hat, im Gegensatz zur Linie Beirut—Damaskus, die schmalspurig ist, eine dem syrischen Handel sehi nützliche Erweiterung erfahren.