Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 274 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266011-2266767--0570-2266818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 274 — Schäften) die Kosten ihrer Ueberfahrt und die Garantie der Rückbeförderung ungeeigneter Elemente. Die gemeinnützigen Veranstaltungen auf den Gütern, wie Synagoge, Bad, Apotheke, werden gleichfalls auf Kosten gemeinnütziger Vereine (z. B. der Hilfsvereine) hergestellt und unterhalten. Selbstverständlich werden auch Türken resp. Araber im Baumwollbau beschäftigt, die, besonders als Vorarbeiter, den darin unbewanderten Juden die Handgriffe zeigen. Gleichzeitig wird eine jüdische Kolonisationsgesellschaft gegründet, und zwar auf gemeinnütziger Grundlage, aber mit dem Prinzip der langsamen Amortisation. Diese erhält von der Bahngesellschaft1) die successive durch den Bahnbau erschlossenen Ländereien zugewiesen, die sie den besseren der Arbeiter der Baumwollplantagen nach Ablauf ihres dreijährigen Kontraktes gegen massige Pacht überlässt; auch erhalten die Pächter die nötigen Vorschüsse für Hausbau, Geräte und Vieh, die aber als Pfandobjekte dienen, ebenso die Saat, wofür die Ernte haftet, während sie ihren Lebensunterhalt bis zur Ernte aus ihren Ersparnissen während der Arbeitszeit bestreiten müssen; bewähren sie sich drei Jahre als Pächter, so erhalten sie, falls sie türkische Untertanen werden wollen, das zu ihrer Ernährung nötige Land, je nach der Güte des Bodens 30—50 ha, als dauernden Besitz. Kommen, wie anzunehmen, auch Ansiedler mit eigenem Vermögen, so wird ihnen von der Kolonisationsgesellschaft gleichfalls versuchsweise Land zugewiesen, aber ohne Inventar; die Besitztitel auf das Land erhalten sie erst nach sechsjährigem Aufenthalt im Lande, und nachdem sie ein gewisses Minimum an Land in Kultur gebracht haben. Auch könnte ihnen, falls sie persönlich genügend hierzu legitimiert erscheinen, gegen Verpfändung ihrer Immobilien -und Ernten ein gewisser Kredit eröffnet werden, sei es von der Kolonisationsgesellschaft, sei es von einer Handelsgesellschaft, sei es, was vielleicht auch erreichbar sein würde, seitens der Baumwollindustriellen, die ja auch anderswo — so die Engländer besonders in Britisch-Zentralafrika, die Deutschen in Deutsch-Ostafrika — in ähnlicher Weise durch Unterstützung der Pflanzer arbeiten. Auch durch Lieferung von Gins, Pressen und Saatgut könnte die Baumwollindustrie fördernd eingreifen. Diese Methode hat das Gute, dass man mit einem kleinen Versuch und daher ohne grosses Risiko die Sache beginnen kann, die, wenn sie glückt, einer enormen Ausdehnung fähig ist.. Beispielsweise dürfte es sich empfehlen, zuerst ein kleines, oder auch eventuell direkt von der türkischen Regierung.