Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 266 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 266 — langen, bequemen Schritt, trabt nicht unangenehm, ist ruhig beim Besteigen, leicht lenkbar und legt an einem Tage bis 70 km zurück, während die höchste Tagesleistung eines Lastkamels 40 km beträgt, und man diesem in allen jenen Punkten das direkte Gegenteil nachsagen muss. Es ist widerspenstig beim Aufsteigen, hat einen schweren Schritt und folgt ungern dem Zügel. Die schlecht ernährten und wenig sauber gehaltenen Tiere sind ausserdem sehr übelriechend. Ein Reitkamel kostet den vier- bis sechsfachen Preis eines Lastkamels. Die Halbinsel besitzt wohl kaum eins oder einige jener wertvollen Tiere, und die etwa vorhandenen bekäme der Reisende sicher nicht zu mieten. Darum tut er gut, sich für seine Person selber beritten zu machen. Empfehlenswert sind dazu nicht Pferde oder Esel, sondern Maultiere. Ich hatte solche aus Abessinien, welche sich vorzüglich bewährt haben. Freilich muss man dann eine erhebliche Quantität Wasser für sie mitnehmen, da ein Maultier, will man seine Kraft anspannen, dreimal des Tages getränkt werden muss. Der Besitz eigener Reittiere ist auch noch aus einem anderen Grunde sehr wichtig. In dem Besitz derselben kann man in den Ruhezeiten, z. B. am Katharinenkloster, nach eigener Wahl Exkursionen machen, wozu sonst die Transportmittel fehlen. Denn die Beduinen, die einen nach dem Kloster führen, verschwinden, sobald man dort aus dem Sattel gestiegen, und die Mönche haben keine Reittiere zu vermieten. Aber gerade hier am Kloster wie auch an anderen Punkten sind wiederholte Ritte in die Kreuz und Quere erforderlich, will der Forscher über die vielumstrittenen O ertlichkeiten sich selbst ein begründetes Urteil bilden. Für Fusstouren sind die Entfernungen zu weit. Zum Tragen der Gepäckstücke dagegen sind die Kamele der Beduinen auf der Halbinsel wohl geeignet, doch darf nicht mehr als höchstens eine Last von drei Zentnern jedem Tiere aufgelegt werden, während die stärkeren Kamele des Sudan mit Leichtigkeit vier Zentner tragen. So kam es, dass ich für mein Gepäck sechs Kamele brauchte, und es kostete dazu einen harten Streit gegen die Beduinen, damit diese zugaben, dass meine Diener während des Marsches sich auf die Lasten setzten. Hier in dem peträischen Arabien ist die Marschordnung eine sehr schlaffe. Im Sudan schritten die Tiere stets hintereinander her, das zweite mit seinem Kopf durch ein Leitseil an den Schwanz des ersten gebunden, und neben jedem Kamel ging unentwegt der zugehörige Knecht. Hier in Arabien laufen die