Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiet der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 238 (sequence 7)
- Language
- German
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— 238 - Baumwolle weniger günstigen, rein tropischen Klima die Zunahme der Produktion daselbst eine nur langsame sein wird, die viel-, leicht , genügen wird, mit der Zunahme der Baumwolle konsumierenden Bevölkerung Schritt zu halten, nicht aber, den schon jetzt empfindlichen Baumwollhunger zu stillen. Da auch. die., beiden bisherigen Hauptgebiete der Baumwollkultur, die Ver-. einigten Staaten und Aegypten, nach den vorliegenden Erfahrungen kaum noch eine beträchtliche Ausdehnung der Baumwollkultur zulassen, .in Amerika sogar infolge von Schädlingen und Aussaugung des Bodens die Erträge pro Hektar schon bedeutend geringer werden, so ist die Baumwollfrage noch sehr weit von einer wirklichen Lösung entfernt. Von vielen Seiten hat man nun auf, die asiatische Türkei als ein zukünftiges Produktionsland für Baumwolle hingewiesen. Schon im Jahre 1880 hat der berühmte Wirtschaftsgeograph Dr. Karl v. Scherzer in seinem Werke „Smyrna" den Ausspruch getan: „Nächst Nordamerika ist vielleicht kein Land der Erde durch Klima und Bodenverhältnisse für den Anbau der Baumwolle geeigneter als Kleinasien"; einige Jahre später (1887) schreibt der bekannte Naturforscher Tchihatchef in seinem Buche „Kleinasien": „Die Baumwollstaude wird nur in sehr kleinem Massstabe angebaut, jedoch reicht die geringe Ausbeute schon hin, um einen Begriff von der Ausdehnung zu geben, die dieselbe erreichen würde, wäre die Industrie in europäischen Händen, da in der. Umgegend von Tarsus die aus Aegypten bezogenen Saaten prachtvolle Ernten liefern." Als die Baumwollnot im Jahre 1901 zum erstenmal deutlicher hervortrat, regte der Geograph Prof. R. Fitzner in einer kurzen Denkschrift die Gründung kapitalkräftiger Gesellschaften in Deutschland an, um insbesondere die im Besitz des türkischen Sultans befindlichen Krondomänen des Wilajets Adana für umfassenden Baumwollbau zu pachten, eine Idee, die freilich der mit den türkischen Verhältnissen durch eigene langjährige Erfahrungen sehr vertraute Mediziner Prof. Dr. E. v. Düring-Pascha in dem Dezemberheft der Zeitschrift „Asien", 1901, hauptsächlich aus politischen Gründen, für undurchführbar hielt. Im Frühling 1902 entsandte dann das deutsche Kolonial-Wirtschaftliche Komitee auf meinen Antrag einen Sachverständigen, Dr. R. Endlich, nach Smyrna, der über, die Möglichkeit der Ausdehnung der Baumwollkultur bei Smyrna berichten und speziell untersuchen sollte, durch welche Massregeln man die Kultur und den Handel in Baumwolle fördern könne.