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Altneuland · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Die Drusen
Date
1904-07-01
Page
Seite 211 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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— 211 — dingung der Ehe, dass der Mann alles, was er hat, mit seiner Frau teilt und ihr nicht das geringste vorenthält. Obwohl die Keuschheit bei den Drusen nach ihren Religionsschriften nächst den 7 Grundgeboten für ein Hauptgebot gilt1), war schon im Mittelalter und ist auch heute noch das Gerücht von drusischer Sittenlosigkeit verbreitet; es wurde wohl gar erzählt, dass ihnen Blutschande und Ehebruch gestattet sei.2) Und de Sacy3) hält es nicht für ausgeschlossen, dass durch spätere Betrüger unsittliche Lehren bei ihnen eingedrungen sind. Oppenheim und Kenner des Landes, von denen ich mündlich Nachrichten über die Drusen erhielt, versichern, dass auch heute noch die Reinheit der Frau bei den Drusen über alles geschätzt werde. Oppenheim erzählt,4) dass es nichts Seltenes sei, dass Männer ihre Gattinnen, Väter ihre Töchter, Brüder ihre Schwestern töten, wenn diese in dem Verdacht der Unsittlichkeit stehen. Wenn wir nunmehr, nachdem wir die Drusen in Religion, Geschichte der Sitte und Wesen kennen gelernt haben, den Blick zu ihrer Ge- Drusenschichte zurückwenden, so erinnern wir uns, dass noch im Laufe des elften Jahrhunderts, bald nach der Ankunft der beiden drusischen Missionare ed-Darazi und Hamza die ganze arabische Enklave des Libanon dem Drusentum gewonnen wurde. Die Führerrolle ging indes sehr bald von den drusischen Fürstenhäusern an mohammedanische Geschlechter über, die trotz ihres abweichenden Glaubens von den Drusen, wohl wegen der Stammverwandtschaft, als politische Führer anerkannt wurden. Fast 6 Jahrhunderte standen die schon erwähnten nordarabischen Man als Emire an der Spitze der Drusen. Der grösste, aber auch gleichzeitig letzte aus der Familie ist der unter dem Namen ,,Grossemir" bekannte Fahr ed-din IL, der von 1584 bis 1633 die Geschicke der Drusen leitete und seine Herrschaft von Aleppo bis Akka und auch bis Damaskus ausdehnte. Er dachte wohl auch daran, gestützt auf die Verträge mit den Medicäern, an deren Hofe in Toskana er sich 5 Jahre aufhielt,5) Konstantinopel anzügreifen. Er wurde aber von den Türken gelangen genommen und 1635 mit zweien seiner Söhne . in Konstantinopel hingerichtet. Sein Neffe wusste noch einen 1) De Sacy, Expose II, 686 ff. 2) Petermann, L, 385. 3) a. a. O. II, 391 Anm. *) I. 139. 5) Damals wurden die Drusen zuerst in Europa bekannt, und eine Anzahl von Büchern tauchten damals, durch sein Auftreten veranlasst, auf. Damals wurde auch zuerst die Legende von der Benennung der Drusen nach einem französischen Grafen Dreux verbreitet.

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