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Altneuland · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 207

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Harmonische und disharmonische Gesellschaften
Date
1904-07-01
Page
Seite 207 (sequence 9)
Language
German
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— 207 — tische Verkäufergenossenschaft sich sperrt, weil hier umgekehrt der Divisor (Mitgliederzahl) des Gesamtprofits notwendig stärker wächst als der Dividendus (Gesamtprofit). Wenn also das Gesetz der Strömung, wie überall sonst, sich auch hier durchsetzt — und wir haben keinen Grund, das zu bezweifeln — so wird die landwirtschaftliche Arbeiterproduktivgenossenschaft dem Zuzug gerade so offen bleiben wie ein Konsumverein, weil der Zuzug den älteren Mitgliedern Vorteile bringt: das Charakteristikum der harmonischen Genossenschait. Bis zu welcher Wohndichtigkeit dieser Zuzug gehen kann, ohne an seine sozusagen geographische Grenze zu stossen, lässt sich kaum absehen. Stellen wir uns als ersten Sitz einer solchen Genossenschaft ein in mittelextensivem Betriebe genutztes Gut von iooo ha vor, .so dürften ca. 50 Familien mit ca. 250—300 Köpfen den ersten Genossenstamm bilden. Wäre im Laufe der Jahre durch immer neuen Zuzug und Zuwachs die gesamte ehemalige Getreidefläche im Hackbau bestellt, so würde etwa die zehnfache Arbeiterzahl dazu erforderlich sein. In diesem Stadium würde sich aber notwendig an die landwirtschaftliche Bevölkerung eine nach preussischem Durchschnitt mindestens gleich starke nicht - landwirtschaftliche ankrystallisiert haben, und wir hätten an Stelle der Siedelung eine kleine Stadt von ca. 5000—6000 Einwohnern. Bliebe diese eine Siedelung isoliert, so würde vermutlich aus Gründen, die hier nicht entwickelt werden können, eine sehr schnell wachsende Stadt entstehen. Es ist aber nicht nötig, diesen Gedanken zu verfolgen, weil es eben unmöglich ist, dass eine solche Siedelung zur Blüte kommt, ohne dass sie an unzähligen Stellen Nachahmung findet. Und dann würde sich der Bevölkerungszuwachs des platten Landes und ein etwaiger Rückstrom aus den Grossstädten so stark verteilen, dass für Jahrhunderte hinaus nicht daran zu denken sein könnte, dass eine Siedelung* sich aus Ueberfüllung mit Menschen sperren müsste. Wenn man bedenkt, dass die grossen Güter Osteuropas schon ohne Uebergang zu beträchtlich intensiveren Kulturstufen, nur durch Parzellierung in Bauernbesitz, die drei- bis vierfache Bevölkerung fassen können, so zeigt sich, dass. hier für Jahrhunderte hinaus selbst für einen ungewöhnlich starken Zuwachs der Bevölkerung Raum vorhanden ist. Und was nach Jahrhunderten kommt, das scheint uns nicht mehr im Aufgabenbereich exakter Wissenschaft zu liegen.

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