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Altneuland · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdad-Bahn
Date
1904-07-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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— 198 — auf 86 600 qkm nur 995 800 Einwohner, d. h. kaum so viel Einwohner wie das Grossherzogtum Hessen, obgleich es an Ausdehnung, Hessen und Bayern zusammen noch übertrifft. Aber selbst, wenn das Kolonistenmaterial vorhanden wäre, so würde eine Kolonisation dennoch kaum ausführbar sein ohne Herstellung besserer Verkehrsmittel. Ohne Bahnverbindung sind alle diese Länder dazu verdammt, in dem bisherigen Marasmus zu verharren und eher eine Last als ein Vorteil für den türkischen Staat zu sein. Wie soll sich bei den heutigen Getreidepreisen der Ackerbau rentieren, wenn das Getreide Hunderte von Kilometern weit auf dem Rücken von Eseln und Kamelen transportiert werden soll. Dazu kommt noch, dass es der türkischen Regierung infolge der fehlenden Verbindungen sogar nicht einmal möglich ist, die Dörfer und Flecken dieser einst so reichen Provinzen gegen die Ueberfälle der von den Bergen hereinbrechenden Kurden und der vom Wüstenrande her Raubzüge unternehmenden Beduinen zu schützen. Dr. P. Rohrbach, der diese Gegenden bereist hat, schreibt z. B. darüber in seiner ,,Die Bagdadbahn" betitelten Schrift: ,,Wollte ein Bauer den praktischen Versuch wagen, sich beispielsweise auch nur eine halbe Stunde südwärts von dem jetzigen, mit einer kleinen Garnison belegten Städtchen Nsebin anzusiedeln, so würden bei der ersten besten Gelegenheit die Beduinen ihn aufgreifen und zur Erpressung eines Lösegeldes gefangen mit sich fortschleppen, oder wenn nicht das, so würden sie seine Saat, bevor er sie geerntet hat, ohne Umstände für sich nehmen." Noch schlimmer fast treiben es die kurdischen Banden, namentlich seitdem sie von der türkischen Regierung zu irregulären Miliz-Regimentern, Hamidies, organisiert und unter den Befehl kurdischer Paschas gestellt sind; die beiden Generale derselben, Ibrahim Pascha in der Urfa-Gegend und Mustapha Pascha am Tigris, leben fortgesetzt von Raub und Plünderung, Hunderte von zerstörten und ausgeraubten Dörfern bezeichnen die Stätte ihrer Wirksamkeit, und gelegentlich kommt es zu wirklichen Kriegen zwischen ihnen und den mächtigeren arabischen Stämmen. Nur diesen traurigen, an die schlimmsten Zeiten des dreissigjährigen Krieges erinnernden Verhältnissen ist es zuzuschreiben, dass das fruchtbare Land noch weiter in der erschreckendsten Weise verödet. Dass die türkische Regierung bei den jetzigen mangelhaften Verkehrsverhältnissen machtlos diesen Uebergriften gegenübersteht, ergibt sich schon aus den Entfernungen, brauchte doch in dem türkisch-russischen Kriege

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