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Altneuland · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 186

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Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Bericht des "Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien pro 1900, 1901, 1902 und 1903 [Nachricht]
Date
1904-06-01
Page
Seite 186 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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— 186 — GESELLSCHAFTS - BERICHTE. Bericht des „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien pro 1900, 1901, 1902 und 1903. Der Verein „Esra" zählte Ende 1903 schon über 4000 über ganz Deutschland zerstreute Mitglieder und hatte eine Einnahme an Beiträgen und Spenden von 14 497 M. Wenn auch der Betrag an und für sich als ziemlich gering bezeichnet werden muss, so zeigt doch die folgende Zusammenstellung der vom Verein in Palästina verwendeten Gelder, dass die letzten Jahre der Wirksamkeit des Vereins eine deutliche Verstärkung des Interesses für seine Tätigkeit zeigen. Der Verein „Esra" konnte für die palästinensischen Kolonisationszwecke verwenden: von 1884—1891 (8 Jahre)...... 9 077 M. „ 1892—1899 (8 „ )...... 42 230 „ „ 1900—1903 (4 „ )...... 51 000 „ Der Verein „Esra" hatte somit in den letzten vier Jahren ebensoviel für seine Zwecke zur Verfügung, wie in den ersten 16 Jahren seines Bestehens. Innerhalb der Berichtsjahre 1900—1903 haben jedoch die Einnahmen des Vereins leider in den letzten Jahren einen Rückgang erfahren. Es wurden nämlich 1900 an Beiträgen und Spenden 15 166 M., 1901 in steigender Tendenz 15 664 M., 1902 dagegen nur 13 096 M. und 1903 14 497 M. eingenommen. Diesen Rückgang erklärt der Bericht durch die „Krisis" in der jüdischen Kolonisation Palästinas, die infolge des Ueberganges der dem Baron Rothschild gehörenden Kolonien an die JCA. entstanden ist, indem hierdurch „die Oeffentlickeit mit den Mängeln der jüdischen Kolonisation im allgemeinen und der Kolonisation Palästinas in besonderem mehr als bisher bekannt geworden sei. Sie wurzeln in der geringen landwirtschaftlichen Vorbildung der jüdischen Ansiedler, wie namentlich in dem empfindlichen Mangel an einem landwirtschaftlich und zugleich kaufmännisch geschulten jüdischen Beamtenpersonal." Die Krisis hat auch auf die übrigen Kolonisationsvereine eingewirkt. „In Frankreich und Amerika sind die im Entstehen begriffenen Organisationen im Keime erstickt worden. Die Chowaweh-Zionvereine in England waren nicht mehr imstande, ihren gegen die Kolonie Bnei-Jehudah eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, und der anfangs so vielversprechende galizische Verein Ahawath-Zion mit dem Sitz in Tarnow ist den Machenschaften seiner Gegner gänzlich unterlegen und^hat zu bestehen aufgehört. Selbst der ältere Bruderverein in Odessa hat den schweren Zeiten Tribut zahlen müssen und in seinen regelmässigen Einnahmen wesentlich Einbusse erlitten.u Wir möchten freilich eher annehmen, dass der galizische Verein Ahawath-Zion ein Opfer der übereilten unvernünftigen Tätigkeit seiner Leiter wurde. Verfügt ein Verein nur über geringe Geldmittel, so können mittellose Leute, die dazu noch keine Ahnung von den Verhältnissen des Landes, vom Ackerbau etc. haben, jedenfalls kein geeignetes Element für die Ansiedlung abgeben. Die galizischen Juden, die vom Verein Ahawath-Zion nach Machanajim in Palästina gebracht wurden und dann nach vielen Entbehrungen das Land verlassen mussten, hätten zuerst ein paar Jahre Arbeiter in den Kolonien sein müssen; erst dann würden sie imstande gewesen sein, ein wirtschaftliches Risiko zu übernehmen, und zwar zuerst als Pächter und später als Besitzer. Die Kolonisations-Vereine würden gut daran tun, wenn sie endgültig darauf verzichteten, Ansiedlungsexperimente mit unbemittelten Einwanderern zu unternehmen, sondern sich darauf beschränkten, das Land Palästina derart zu erschliessen, dass eine Eigenkolonisation, d. h. eine freie Niederlassung von Ansiedlern ermöglicht wird.

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