Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- [Rezension] / Soskin
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 154 — kann. Literaturstudium und Erkundigungen, die Verf. bei einigen in Betracht kommenden Personen angestellt hatte, das sind die Quellen für diese streDg wissenschaftliche, der praktischen Kenntnis des Landes gewidmete Untersuchung. Im 1. Kapitel behandelt Verf. die physikalischen Grundzüge Galiläas: Begrenzung und Gliederung des Untersuchungsgebietes, die geologische Beschaffenheit des Landes, die Erscheinungsformen des Flüssigen und Festen, die Fruchtbarkeit und Vegetation. Bei der Schilderung der geologischen Verhältnisse des Gebietes fällt es auf, dass Blanckenhorn's Arbeiten, der sich doch Lartet in der Richtigkeit der Auffassung des geologischen Aufbaues des ganzen Landes am meisten nähert, keine Erwähnung fanden. Im 2. Kapitel beschäftigt sich Verf. mit den Wirtschaftsimd Bevölkerungsverhältnissen Galiläas. Aus diesem Kapitel erfahren wir über die „geographische Bedingtheit der Gemischtheit der Bevölkerung". Der Ueberblick über die Geschichte der Besiedlung und über die Zusammensetzung der heutigen Bevölkerung ist leider bei weitem nicht vollkommen, was sich daraus erklärt, dass die speziell wirtschaftlichen Fragen moderner Zeit, wozu auch die Siedlungsfrage gehört, in der dem Verf. zugänglich gewesenen Literatur sehr wenig berücksichtigt wird. So weiss Verf. von den in neuester Zeit errichteten jüdischen Ackerbaukolonien nur „Jesud ha-macale" amHule-See zu nennen, während die bedeutenderen Rosch-Pinah, Metulle und die um den Tabor liegenden Mes'ha, Yemma etc. nicht genannt werden. Wenn auch die Nichterwähnung dieser Kolonien nichts an den Schlussfolgerungen des Verf. ändert, da die Kolonien sich doch grösstenteils an den Orten früherer arabischer und drusischer Dörfer aufbauten, so wäre ihm doch die genauere Kenntnis dieses gerade in Galiläa in der letzten Zeit bedeutend zunehmenden Bevölkerungselements für seine allgemeinen Voraussetzungen über die Zukunft des Landes sehr nützlich. Die wechselvollen Verschiebungen der Wirtschaftslage des Landes während seiner vielhundertjährigen Geschichte werden im Laufe dieses Kapitels geschildert und die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse: Ackerbau, Gartenkultur, Weidewirtschaft auseinandergesetzt. Mit Recht macht Verf. auf die grössere Bedeutung der Gartenkultur in diesem Gebiete aufmerksam, was speziell bei den bedeutenderen Niederlassungen, die von grossen Olivenhainen umgeben sind, wie z. B. er-Räme, besonders zutrifft. Sollte es nicht ein Fingerzeig für unsere neuen Ansiedlungen in Galiläa sein, die sich vorläufig ausschliesslich auf den Ackerbau verlegen? — Die Bevölkerungsverhältnisse Galiläas in seiner Blütezeit beurteilt Verf. sehr günstig. Er nimmt an, dass es 120 Einwohner auf 1 qkm hatte, während es jetzt etwa ein Viertel davon besitzt. Dabei ist nicht zu vergessen, dass Galiläa der am besten bevölkerte Teil Palästinas ist. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier im einzelnen den überaus reichen Inhalt dieses fleissigen Werkes, wenn auch nur in wenigen Hinweisen, angeben. Wir müssen uns auf die Inhaltsangabe der Kapitel allein beschränken. Das 3. Kapitel behandelt die Verkehrswege (Verkehr zu Wasser, zu Lande, die einzelnen Strassenzüge: Karawanenstrassen, die Wege des Lokal- und Binnenverkehrs, die Fahr- und Schienenwege). Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit den Ansiedlungen : Ueberblick über die Siedlungen, Entstehung der Siedlungen, Einfluss der physikalischen Bedingungen auf das Siedlungswesen im einzelnen usw. Wir wollen nur noch zum Schluss folgende höchst interessante Aeusserungen des Verf. anführen: „Nach dem Urteil aller Sachverständigen kann das Land aber wieder werden, was es einst war, ein Garten Gottes,