Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Gross- und "Klein"-Kolonisation
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 — Leben stehende Personen erzielen lässt, als durch Bücherstudien im Auslande, ist selbstverständlich. Fällt doch bei der Anwendung der verschiedenen Gesetze und Verordnungen die administrative Praxis ganz besonders schwer ins Gewicht und darf bei dem Studium der rechtlichen Verhältnisse nicht vernachlässigt werden. Es dürfte auch kein Zweifel darüber herrschen, dass eine Einwirkung von europäischen Juristen nur befruchtend sein könnte. Doch muss der Schwerpunkt dieser Arbeit in das Land selbst verlegt werden. Die in diesem Punkte angegebenen Erforschungsarbeiten wurden und werden von den kolonisierenden Völkern in den respektiven Gebieten immer ausgeführt. Meist werden sie mit der Vermessung des Landes gleichzeitig unternommen. Wir brauchen uns nur die verschiedenen Expeditionen in Afrika zur Erforschung einzelner Teile des Landes genauer anzusehen, die zum Teil rein wissenschaftliche Zwecke allein, grösstenteils aber recht praktische Erkundungen verfolgten. Man wird uns vielleicht einwenden, dass es sich hierbei in vielen Fällen um die erstmalige Erforschung bis dahin unbekannter Gebiete handelte, während wir es in Palästina mit einem in grossen Zügen bekannten Lande zu tun haben. Zunächst mag darauf verwiesen werden, dass es Teile des Landes gibt, die noch gar nicht bekannt sind und auf den englischen Karten als inexplored bezeichnet werden. So der äusserste Süden, der nach Aegypten zu liegt, so ein bedeutender Teil des Ostjordanlandes. Aber auch die Teile, die topographisch, geologisch und archäologisch bekannt sind, sind wirtschaftlich in ihren Details, auf die es uns ganz besonders ankommt, so gut wie gar nicht erforscht. Und für uns Zionisten bietet gerade die wirtschaftliche Lage der einzelnen Provinzen, Distrikte, Kreise, Gemeinden usw. bis in die kleinste wirtschaftliche Einheit hinein das grösste Interesse. Denn es gilt, die Punkte des sofortigen Eingreifens genau zu kennen. Es ist eben Kleinarbeit, die hier gemacht werden muss, da wir es nicht mit einem leeren, unbesiedelten, nur auf unsere Ankunft harrenden Lande zu tun haben, sondern mit einem Gebiete, welches in einigen Teilen gut besiedelt ist, und wo nur durch intensivere Kultur und die Anwendung der modernen Technik eine Existenzmöglichkeit für neue Bevölkerungsschichten geschaffen werden kann. In den besseren Teilen ist das Land gut besiedelt, in den schlechteren muss es für eine Besiedelung geeignet gemacht werden. Doch darauf kommen wir zurück. In beiden Fällen