Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Gross- und "Klein"-Kolonisation
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 130 — im kleinen unternommen und haben als solche ihre unverkennbare Bedeutung für die weitere Entwickelung der Dinge. Dass die Ergebnisse so gering ausfielen, erklärt sich aus dem Mangel an System. Die Systemlosigkeit, der Mangel einer Einheitlichkeit ünd Folgerichtigkeit in den unternommenen Versuchen kann sogar soweit gehen, dass solche Versuche zu einem Kinderspiel werden und nicht nur zu keinem Resultat führen können, sondern in vielen Fällen direkt schädlich einwirken müssen. Kennern der bisherigen Kolonisation in Palästina ist es durchaus kein Geheimnis, dass man bis1 jetzt aufs Geratewohl kolonisierte, und es ist in manchen Fällen als Wunder zu bezeichnen, dass die, zufälligen Veranlassungen entsprungenen Versuche zu einem positiven Ergebnis führten. Die Unkenntnis des Kolonisationslandes, die Nichteignung des Kolonisationsmaterials, die Zufälligkeit in der Wahl der leitenden Persönlichkeiten sind allgemein bekannte Tatsachen. Nur der Idealismus der Pioniere und die ungeheuren Geldmittel, die auf die Kolonisation verwendet wurden, haben es bewirken können, dass wir jetzt nach all den Misserfolgen einen Bestand von 27 Kolonien mit ca. 6000 Seelen und 40 000 ha Boden unser eigen nennen können. Die Systemlosigkeit äusserte sich sowohl in der Kolonisierung mittelloser Leute, wie auch in der Zufälligkeit der eingeführten Kulturen, der Sorglosigkeit in bezug auf Absatz der erzeugten Produkte, der Unkenntnis der rechtlichen Verhältnisse des zu kolonisierenden Gebietes usw. Diese Mängel wurden so häufig gerügt, dass es gewiss überflüssig ist, bei ihnen länger zu verweilen. Worauf es uns hierbei ankommt, ist die Betonung des Zufälligen, Unsystematischen in der bisherigen Kolonisation. Es waren spontane Beweggründe, die sie in den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts hervorbrachten, wenn auch ihre inneren Ursachen viel tiefer und früher gesucht werden müssen, Ereignisse, die unser Volk ohne richtiges Verständnis für diese Arbeit fanden. Wir sehen also, dass in bezug auf die bestehende Kolonisation nicht der Ausdruck „klein", sondern vielmehr „systemlos" angewendet werden muss. Wenn somit die Unrichtigkeit des Ausdruckes „Klein"-Kolonisation einleuchtend sein dürfte, so gilt es, zu beweisen, dass eine „Gross"-Kolonisation an ■ und für sich nicht existieren kann und sich nur als Folge positiver Ergebnisse der systematischen, zielbewussten, planmässigen Versuche und Vorarbeiten ergeben muss, dass also die Grosskolonisation folgerichtig als „systematische" Kolonisation im Gegensatz zu der