Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- (Originalbericht) [Nachricht] / A. A.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sie noch sehr jung-, um über sie ein Urteil zu fällen. Wir halten deshalb mit unserer Prognose zurück. In" den ersteren beiden Kolonien sind die Baulichkeiten beinahe fertig, die Kolonisten sind schon in die Hänser eingezogen, das Vieh wurde in den Ställen untergebracht, so dass die Arbeit voll und ganz aufgenommen werden kann. In Melhamieh sind die Gebäude noch nicht ganz hergestellt. Wenn auch die Organisation und Administration der neuen Kolonien diejenige der alten bedeutend überragt, so weist sie auch leider noch Unvollkommenheiten und unverzeihliche Mängel auf. Man darf uns ja nicht allzu grosse Strenge unserer Forderungen vorwerfen. Zwei Umstände berechtigen uns zu solcher Stellungnahme: erstens der Umstand, dass wir nicht am Anfange unserer Kolonisationsarbeit stehen, sondern nunmehr auf eine 25jährige Praxis zurückblicken, und zweitens die Tatsache, dass die von den Templern betriebene Kolonisation, die mit weniger Geldmitteln operiert, Vollkommeneres aufzuweisen hat. So war kaum die neue Kolonie Wilhelma begründet, als schon die Strassen traciert, die Wassergräben reguliert wurden etc. In Mesha, Yemma und Melhamieh dagegen bauen die Kolonisten ihre Häuser nach eigenem Geschmack ohne Rücksicht auf die hygienischen und agrikultureilen Bedingungen der Gegend, die Höfe sind weder von Hecken, noch von Wänden umgeben, die Strassen sind nicht traciert, der Abfluss des Wassers ist nicht geregelt, die ärztliche Hilfe schlecht organisiert worden. Die Kolonisten beschuldigen die Administration wegen Sorglosigkeit, die Administration verweist ihrerseits mit allem Nachdruck auf den Mangel an Initiative und die Nachlässigkeit der Kolonisten. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Die Kolonisten und die Administration zugleich sind für diesen bedauerlichen Zustand verantwortlich zu machen. Aus dem Gesagten geht hervor, dass wir auch in unseren neuen Kolonien vergebens den Geist suchen müssen, der wahre Pioniere beseelt. Die Administration setzt die Erwerbungen von neuem Boden in der Gegend von Tiuerias fort, und zwar von gutem Boden zu 9—12Frcs. per Dunam, Uebertragungskosten (Kaufverträge etc.) mit inbegriffen. Bei solchen Bedingungen müsste man nur zugreifen. \ Rosch-Pinah. Hier gelten die Kolonisten als voll und ganz installiert. Sie vernachlässigen ihre Weinberge und noch mehr die Mandelpflanzungen, und der Feldbau ist ebenso mangelhaft. Trotzdem kommen die Leute noch aus, aber wie lange? In Mischmar-Hajarden steht es sehr schlecht. Der im vorigen Jahre gegen die J. C. A. seitens Ossowetsky und Genossen geführte Prozess, während dessen die Kolonisten für eine Zeit lang aus ihren Häusern vertrieben wurden, und die diesjährige Cholera versetzten der Kolonie einen Stoss, von dem sie sich kaum erholen wird, wenn man nicht rechtzeitig Hilfe schafft. Machanajim existiert ja nur noch dem Namen nach. Die galizischen Kolonisten, die die Kolonie bildeten, zerstreuten sich nach allen Windrichtungen. Der Boden und die Häuser sind an die Administration zurückgegangen, die dort 15 bis 20 Arbeiter untergebracht hat, mit welchen sie die Versuche mit Tabakbau macht. Die Arbeiter stehen hierbei im Pachtverhältnis zur Administration. Wir müssen leider hier konstatieren, dass die Versuche mit Tabakbau wiederum einmal aufs Geratewohl, ohne Methode, Programm und Folgerichtigkeit geleitet werden. Es ist um so mehr bedauernswert, als der Tabakbau in unseren Kolonien eine bedeutende Rolle einnehmen müsste.