Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Drusen
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Safed 1× ep/1046078
OCR text
— 109 — schlechthin von einer drusischen Nation spricht. Dabei ist die Abstammung der Drusen von der der mohammedanischen Bevölkerung Syriens nicht durchaus verschieden, und auch ihre Religion — eine Geheimreligion und erst seit reichlich einem Jahrhundert bekannt — ist aus dem Islam erwachsen und hat, wenigstens äusserlich, einen so engen Zusammenhang mit ihm gewahrt, dass es den Drusen möglich, ist, in schwierigen Zeiten eine Annäherung an den Islam zu betonen, was sie bis zum Besuch der Moschee ausdehnen. Schon seit Jahrhunderten ist dieses kräftige Bergvolk von leidenschaftlichem Unabhängigkeitsdrang, das zwar undiszipliniert, aber tapfer und unerschrocken ist und fest zusammenhält, der ewige Unruhestifter im mittleren Syrien. Für Europa hat es sich besonders durch die blutigen Kämpfe vom Jahre 1860 bekannt gemacht, die mit der Intervention Europas und der Schaffung der autonomen Libanonprovinz unter der Garantie der Mächte ihr Ende fanden. Auch dann noch hat es der türkischen Regierung nunmehr im Haurän, seinem zweiten Hauptsitz, zu schaffen gemacht und wird nach allgemeiner Erwartung immer wieder Unruhe stiften. Die Veranlassung, uns in diesen Blättern mit den Drusen zu beschäftigen, ist zunächst allgemein durch das Interesse gegeben, das wir natürlich an der Kenntnis der Bevölkerung unseres Kolonisationsgebietes besitzen müssen. Ein spezielles Interesse aber kam bei den Drusen noch dadurch dazu, dass sie in Nordgaliläa bei Safed, nächst den Metäwile, einer ihnen verwandten Sekte, die Nachbarn unserer Kolonien Rosch-Pinah, Jessod- Hamaalah, Machanajim usw., sind. Eine der jüngsten dortigen Kolonien Metule (Mutelle) im Merdsch-Ajün ist ein ehemaliges Drusendorf und auch heute noch den Angriffen der Drusen ausgesetzt. Auch die künftige Ostjordankolonisation hat mit ihnen zu rechnen. Natürlich beansprucht die folgende Darstellung in keiner Weise irgendwie selbständige Resultate zu geben. Es konnte nicht einmal die ältere, ausserordentlich umfangreiche Literatur über die Drusen, die an geeigneter Stelle kurz zitiert werden wird, ausführlich benutzt werden. Die Darstellung folgt im wesentlichen der des Freiherrn Max v. Oppenheim im ersten Bande seines herrlichen, durch Gründlichkeit und Anschaulichkeit, wie durch Slil in gleicher Weise hervorragenden Reisewerkes „Vom Mittelmeer zum Persischen Golf"1). Oppenheims Schildei) Berlin, 1S99. Dietrich Reimer.