Mannheim
Compact Memory

Altneuland · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Harmonische und disharmonische Genossenschaften
Date
1904-03-01
Page
Seite 81 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2266000-2266001-2266005-2266299--0200-2266358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

_ 81 ~~ liehe Geist" selbst unter einer Bevölkerung einstellen, welche sonst keine derartigen Tugenden besitzt. Hier aber, wo alle Interessen einander feindlich sind, wird sich der ^genossenschaftliche Geist" sogar unter einer Bevölkerung unter keinen Umständen erhalten können, welche die Tugenden der Eintracht und brüderlichen Gesinnung als Mitgift in die Genossenschaft eingebracht hat. Weil die einmal bestehende Käufergenossenschaft nur Gemeinsamkeit der Interessen, aber nicht den geringsten Gegensatz zu allen anderen Käufern derselben Ware hat, ist sie überall bestrebt, möglichst alle andern Käufer sich anzugliedern. Denn durch die Ausdehnung steigert sie die einzige Macht auf die Gestaltung der Preise, die sie besitzt und die sie ein Interesse hat, auszuüben, die planmässige Verminderung der Nachfrage nach einer Ware, welche in einem gegebenen Augenblicke mit einer höheren, als der durchschnittlichen Profitrate belastet ist. Je mehr Mitglieder er besitzt, um so billiger, weil als Grosskäufer an den ersten Quellen, cl. h. mit Ausschaltung der durchschnittlichen Profitrate des gesamten Zwischenhandels, kauft der Konsumverein und die Rohstoffgenossenschaft ihre Waren, die Werkgenossenschaft ihre Maschinen, die Kreditgenossenschaft ihren Kredit und die Baugenossenschaft Land, Baumaterial und Arbeit. Un4 um so mehr sinken auch die ^Herstellungskosten" aller Waren, indem sich die Kosten des letzten (Verkaufs-) Aktes der Produktion, den die Käufergenossenschaft meistens selbst übernimmt (der Schlussverteilung der Waren auf die letzten Verzehrer),- auf mehr Einheiten verteilen, also auf die Einheit geringer werden, wenn der Umsatz steigt.*) Es wächst also unter normalen Verhältnissen der Dividendus — Gesamtprofit — stets stärk e r als de r D i v isor (Mitgliederzahl.), Die Käufergenossen,schaft h a t a 1 s o überall d a s B estreben nach m ö gl i c h s t e r A u s cl e h n u n g. Ganz im Gegenteil aber, weil die einmal bestehende Ver- *) Die'Käufergenossenschaften übernehmen diesen letzten Akt der „Produktion" nicht immer.. Wo die Kons um vereine das in Deutschland vielfach übliche „Lieferantengeschäft" betreiben, wird dieser letzte Akt von einem aussenstehenden Verkäufer ausgeführt. Und hier ist der Rabatt, den die Lieferanten gewähren, wohl nur zum kleinsten Teil Verminderung ihrer Profitrate, sondern lediglicli die Rückerstattung der auf die Wareneinheit bei grossem Umsatz ersparten Spesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.