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Altneuland · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Palästina als Kolonisationsgebiet
Date
1904-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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- 5 - die meisten über nur wenig Zeit verfügenden Reisenden — und welcher Reisende verfügt heutzutage denn über viel Zeit — sich auf die Route Jaffa—Jerusalem beschränken und höchstens noch Ausflüge von Jerusalem nach Jericho und Bethlehem machen. Hierbei lernen sie also die besseren Teile Palästinas gar nicht kennen und erhalten auf der Route nach Jericho sogar noch einen Einblick in die unfruchtbare, aber nur einen verschwindend kleinen Teil des Landes repräsentierende Wüste Juda. Da sie sich in Jaffa selten so viel Zeit nehmen, um die in der Nähe der Stadt befindlichen, schön ausgebauten und bepflanzten Kolonien — von deren Vegetation die beigefügte Zeichnung eine Idee geben mag — kennen zu lernen, so ist sozusagen der einzige Ort, wo sie einen Begriff von der Ueppigkeit der "Vegetation erhalten können, der schöne, von dem Baron Ustinofl, einem Balten, angelegte Garten des Hotel du Parc in Jaffa, und diesen halten sie natürlich für eine mit unendlicher Mühe und grossen Kosten geschaffene Oase, während er doch in "Wirklichkeit nichts weiter darstellt als einen kleinen Versuchsgarten, der zeigt, mit wie wenig Mühe sich in dem gesegneten Klima die schönsten tropischen und subtropischen Baum- und Buschbestände*) aufziehen lassen. Um mit der Lage und Ausdehnung Palästinas zu beginnen, so stellt es sich dar als ein zum grösseren Teil gebirgiges Land mit einer recht bedeutenden, vorgelagerten, äusserst fruchtbaren Ebene, die, unter dem Namen Ebene Saron und Sephela bekannt, eine Länge von 165 km bei einer durchschnittlichen Breite von ca. 15 km aufweist. Nur dem nördlichsten Teil Palästinas *) Der tropische Eindruck des Gartens wird ganz besonders durch die Bananen, Casuarinen, Fieder- und Fächer-Palmen sowie die tropischen Ficusarten hervorgerufen, unter denen mir die vorderindische Ficus benghalensis, die hinterindische Ficus elastica und die australische Ficus rubiginosa besonders auffielen. Auch der schöne indische Blütenstrauch Hibiscus rosa sinensis, sowie der als Stolz Indiens (Pride of Jndia) allbekannte Zierbaum Melia azedarach tragen neben schlingenden tropischen Winden, gelbblütigen Buddleiasträuchern etc. dazu bei, dass man. glauben möchte, man sei in dem üppigen Parke eines indischen Grossen und nicht in einem Hotelgarten des „wüstenähnlichen" Palästina. Aber auch die wenigen Reisenden, die von Jaffa zu Wagen nach Flaifa fahren, merken, obgleich sie eine der zukunftreichsten Ebenen Palästinas durchreisen, kaum etwas von der Fruchtbarkeit, da die wenigen jüdischen Kolonien meist abseits der grossen Route liegen, die zerstreut liegenden arabischen Ansiedlungen schlecht bearbeitetes Land aufweisen und der grösste Teil des Landes sich als baumloses mit spärlichem Gras bewachsenes Oedland darstellt, wie man es aus der beigefügten Originalzeichnung von Hermann Struck ersehen kann.

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