Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Magdeburg
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 2)
- Language
- German
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Spamer: Zur Geschichte der Juden in Magdeburg. 293 vulsso Schutzjude hier wohnhaft war. Dieses Privilegium erstreckte sich nur auf die Altstadt, nicht auf die Neustadt Magdeburg. Jedoch hielten sich auch hin und wieder in der Neustadt Juden auf, deren Aufenthalt daselbst aber nur von kurzer Dauer war, denn der Rath der Stadt wurde gedrängt, sie baldigst auszuweisen. So erging es auch einem gewissen Lewin Bauer, von dem in folgendem die Rede sein soll. Der hiesige Magistrat hatte mir bereitwilligst gestattet, in die bezüglichen Actenstü'cke des städtischen Archivs Einsicht zu nehmen und bin somit in der Lage, einen kleinen Beitrag zu der Geschichte des verfolgten und gehetzten Juden liefern zu können. Der besagte Lewin Bauer hielt sich zur Erledigung einer Prozeßsache in der Neustadt auf und der Magistrat daselbst hatte die humane Gesinnung in einem Gesuch an den preußischen König Friedrich unterm 9. Februar 1713, um einen längeren Aufenthalt für B. zu erwirken, sich folgendermaßen zu äußern: „Allerdurchlauchtigster :c. Es hat sich der Schutzjude von Halberstadt und Sachsen Barby Lewin Bauer anhero in Absicht seine Prozeßsache, so einen theils mit seinem Schwager und anderen theils mit einigen Kaufleuten hat, zu endigen begeben und daher eine Zeitlang allhier geduldet werden müssen, weilen sein Eheweib David Blochs in der Sudenburg eheleibliche Tochter in das Kindbett gekommen und die meisten Kinder nach heuriger Jahresarth an Fiebern und anderen Zufällen gekranket, auch endlich bei E. K. Majestät allerunterthänigst um einen Geleitsbrief auf hiesige Neustadt Magdeburg angeflehet und an uns beigehendes allergnädigstes Rescript ausgewirket. Ob nun gleich wir darauf sofort den anbefohlenen Bericht in Unterthänigkeit eingesendet, auch nachhero beigefügten bei E. K. M. Landesregierung der Judenschafft halber auf Spe> zialbefehl abstatten müssen; so ist doch auf solche annoch keine gnädigste Resolution erfolget, sondern es haben einige sogenannte Seniores der Seiden-- kramer-Jnnung in der Alten Stadt Magdeburg an E. K. M. Hoflager sich gewendet und einen Besehl an dero Hofrath und Müllenvoigt Doctor I. H. Durfeldt als unfern Stadtrichter extraHirt kraft dessen ihm injungirt worden besagten Lewin Bauer aus der Stadt zu schaffen, maßen selbiger auch Verfügung gethan und dem Juden anbefohlen, sich von hier wegzubegeben. Nun halten zwar E. K. M. Willensmeinung Wir überall in tiefsten Gehorsam heilig und unverbrüchlich und ist uns eben an diesen Juden nicht gelegen, allein es haben Supplikanten Constantinus Camman und Gebhardt Oberdick der Gebühr nach die Wahrheit nicht beobachtet, denn erstlich ist irrig und nimmermehr zu erweisen, daß Lewin Bauer indistinkt zum Praejudiz Tort und Schaden des altstädtischen Commercy mit allerhand Waaren Handlung getrieben, uns ist davon nicht das geringste