Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Ohne Titel] / L. G.
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259319-2259322--2173-2265238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 Nachrichten. langt die Aufhebung des Gesetzes vom 1. Juni 1833, das die Juden in Posen benachteiligte. Dann sagt er: „Ist endlich die unnatürliche Scheidewand zwischen den armen und reichen Juden (naturalisirten und geduldeten) in dem Großherzogthum Posen gefallen, so kann auch die Scheidewand zwischen Alt- und Neupreußischen nicht länger bestehen. Es giebt dann keine Israeliten, keine jüdischen Staatsbürger, keine preußischen Juden mehr, sondern nur Preußen als Bestandteil des preußischen Volks, .... jüdische Preußen, Physiker, Aerzte, Professoren, Bankiers, Scknewer, Silber- und Eisenschmiede pp. jüdischen Glaubens, oder Inden schlechtweg, wenn von ihrer Religion im Gegensatz von christlichen Preußen, von Mohamedanern, Heiden u. s. w. die Rede ist. Denn Hebräer und Israeliten waren sie nur bis zur babylonischen Gefangenschaft. Seit Esra's Tempelbau heißen sie Juden dem Glauben nach, und als Nachkommen einer ehrenwerthen Nation, die mit uns in Gemeinschaft ihrer heiligen Bücher lebt. Ein besonderes Volk sind sie nun nicht mehr, seit sie preußische Bürger geworden. Ist die preußische Gesetzgebung endlich für alle gleich, umschlingt alle das gemeinsame Band der preußisch-deutschen Nationalität, so tritt kein Grund mehr entgegen, nach dreißigjährigem Fegfeuer oder überstandener Feuerprobe, wofür allein schon die Feldzüge von 1813 15 zu rechnen, die Verheißung des Z 8, der den Juden die akademische Anstellung in Lehr-, Schul- und Kommunalämtern zusichert, und des A 9 des Edikts von 1812, der ihnen Bestimmungen über den Eintritt in Staatßämter verspricht, in Erfüllung zu bringen". Hippel verlangt sodann Zulassung der Juden zu Osfiziersstellen und schließt: „Wenn es weder unseren milderen Bekehrungsvereinen, noch der Gewalt gelungen ist, wie die Geschichte Spaniens und und Portugals zeigt, die Inden in Christen zu verwandeln, wenn sie also nichts Anderes wollen, als unangetastet zu beharren in der Religion ihrer Väter, in dem Glauben an einen einigen Gott, so bleibt nichts Anderes übrig, als sie durch alle Mittel der Moral und ihrer eigenen Religion zu sittlicb guten Menschen Zu bilden, zu treuen Unterthanen, zu echten Preußen. In solchem Bolkslhnm, das keine Sonderung zuläßt, folgt dann die Verschmelzung aller Nationalitäten und aller Konfessionen von selbst. Es giebt leinen besseren Lehrmeister als die Zeit. Wer ihr widerstrebt, geht unter; oder es geschieht ohne ihn, was geschehen muß". Eine Biographie Gotth. Salomons, geb. 1784, gest. 1862, des Hamburger Predigers und consequenten Vertreters der Reform, giebt mit