Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Notizen / L. G.
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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296 Miscellen. fchen Briefe die Frankfurter Stelle ablehnte. Erst nachdem in Folge eines Beschlusses des Frankfurter Vorstandes eine Wiederanstellung Steins zur vollen Unmöglichkeit geworden war, nahm, nach wiederholtem Drängen von Seiten Frankfurts, mein Bater die Stelle an. Welche Seelenkämpfe es ihn gekostet, wissen die, welche ihm nahestanden. (Ich habe sie a. a. O. S. 138 angedeutet.) Daß nicht persönliche Motive, sondern allgemeine Gesichtspunkte ihn leiteten nach seiner Geburtsstadt zu ziehen, die im Herzen Deutschlands lag, von der aus, wie er frcilich vergeblich hoffte, eine ganz andere Wirksamkeit entfaltet werden konnte, als von dem entlegenen Breslau, ist a. a. O. S. 263 gleichfalls hervorgehoben. Die Stein'sche Angelegenheit, die zu ihrer Zeit viel Staub aufwirbelte, wird von allen Urteilsfähigen so beurtheilt, daß das Recht durchaus auf Seiten des Frankfurter Vorstandes, nicht auf Seiten des zwar hochbegabten, aber von Eitelkeit verblendeten und durch Eigensinn in seinem gesunden Urtheil getrübten ehemaligen Predigers war. Wenn Kayserling dieselbe nach den gefärbten Berichten der meinen Bater stets kleinlich befehdenden „Zeitung des Judenthums" darstellt, so beweist er zwar achtungswerthe Pietät aber keinen geschichtlichen Sinn. Der geschichtlichen Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen ist mein Beruf; ihm werde ich folgen, selbst wenn es sich scheinbar um eine Familienangelegenheit handelt. L. G.