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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 289

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Ferdinand Lassalles Tagebuch (1840)
Date
1892-01-01
Page
Seite 289 (sequence 6)
Language
German
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Miscellen. 289 in die Luft sprengten und sich mit ihren Peinigern tödteten? Feiges Volk, du verdienst kein besseres Loos. Der getretene Wurm krümmt sich, du aber bückst dich nur tiefer. Du weißt nicht zu sterben, zu vernichten, du weißt nicht, was gerechte Rache heißt, du weißt nicht, dich mit deinen Feinden zu begraben und sie im Todeskampfe noch zu zerfleischen! Du bist zum Knechte geboren." Dieser außerordentlich heftigen, an manche Diatriben des künftigen Agitators gemahnenden Anrede, bei deren Lectüre man sich immer gegenwärtig halten muß, daß es die Worte eines Fünfzehnjährigen sind, reihen sich einige kürzere Sätze, am 30. Juli niedergeschrieben, an. Sie lauten: „Wieder die abgeschmackte Geschichte, daß die Juden Christenblut brauchten. Dieselbe Geschichte wie in Damaskus auch in Rhodus und Lemberg. Daß aber aus allen Winkeln der Erde man mit diesen Beschuldigungen hervortritt, scheint mir anzudeuten, daß die Zeit bald reif ist, in der wir in der That durch Christenblut uns helfen werden, ^.iäs-tol et le eiel t'aiäera. Die Würfel liegen, es kommt auf den Spieler an". Die letzten Worte sind kennzeichnend für den Jüngling, der in einer, wenn man den Ausdruck brauchen darf, Spieleratmosphäre ausgewachsen war. Da ich mich mit den Explorationen des frühreifen Handelsschülers nicht identificire und keinen Beruf fühle, jedes seiner Worte zu vertheidigen, so trage ich kein Bedenken, auch den obigen Wuthausbruch mitzutheilen. Ich möchte meinen, daß er mehr mit der revolutionären Grundstimmung im Allgemeinen zusammenhängt als von einer specisisch jüdischen Empfindung eingegeben ist. Wie die meisten Aeußerungen des jungen Tagebuchschreibers sind auch diese durch den Augenblick eingegeben, aus einer aufregenden Lectüre entstanden, nicht wohlerwogene Resultate eines langen, prüfenden Nachdenkens. Wie sie aber auch sein mögen, sie bleiben interessante Aeußerungen eines jugendlichen Brausekopfes, der später durch seine leidenschaftliche Sprache wie durch seine revolutionären Ideen die Welt lange in Athem hielt. L. G. 10. Notyen. In den ^eta kistorieo - eeelesiastiea 3. Band (Weimar 1738) S. 1107 ff. wird über Prof. Callenbergs „Bemühungen in Ansehung der Juden" berichtet und auf dessen Schrift „Relation von einer weiteren Bemühung . . Jesum Christum dem jüdischen Volk bekannt zu machen" hingewiesen. Sie handelt von Missionsversuchen, die drei Studenten seit 1730 unternahmen, von den Verfolgungen, welche Juden wider ihre zum Christen-

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