Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259319-2259322-2265007--1977-2265066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
132 Silberstein: Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls. gerade dieses Retorsionsverhältniß oft geeignet war, widerstrebende Regierungen der Aufhebung geneigter zu machen. Um indessen leichter zu seinem Ziete zu gelangen, entschloß sich Breidenbach zu einem längeren Aufenthalte in Regensburg. Dort war nämlich die Reichs-Deputation versammelt, um den Fürsten, welche durch den Frieden von Lüneville in ihrem Länderbesitze verkürzt worden waren, möglichst Ersatz zu gewähren. An diese Reichs- Deputation hatten auch die deutschen Juden ein Gesuch um Gewährung des passiven Bürgerrechts gerichtet, die Bitte enthaltend, von der deutschen Judenheit die lästigen Distinktionen zu nehmen, unter denen sie noch durchgehend seufzte und sie aus der Reihe der „Geächteten, Ehrlosen und Leibeigenen", neben die sie das Gesetz stellt, emporzuheben. Trotzdem das Gesuch von dem angesehensten Mitglieds der Konferenz, dem kurböhmischen oder österreichischen Gesandten, überreicht und unterstützt wurde, so blieb es, da die Deputation mit Wichtigerem beschäftigt war, doch erfolglos. Breitenbachs Bestreben war nun darauf gerichtet, auf dem Reichstage zu Regensburg durch persönlichen Einfluß und sonstige Mittel vor Allem die Aufhebung des Leibzolls, dessen Druck die deutschen Juden am schmerzlichsten empfanden, energisch zu betreiben. In einem mit Wärme und Herzlichkeit geschriebenen Aufrufe hatte sich Breidenbach zuvor an die Juden Deutschlands gewendet, um dieselben, wie es in dem Aufrufe heißt, „zur thätigsten Theilnahme und Mitwirkung aufzumuntern und zu beleben". Er fordert sie auf, einen Fonds zusammenzubringen, bestimmt, die volle Beseitigung des Judenleibzolls herbeizuführen, „der den Würdigen und Vornehmen schmäht und herabwürdigt, den Reichen Plagt, den Armen drückt, den Dürftigen quält und peinigt". In der That wurde Breidenbach von vielen jüdischen Gemeinden als ihr Anwalt (Syndikus) ernannt und bestellt, wie er auch als solcher von der Regierung des Fürst-Primas, Reichskanzler Karl von Dalberg anerkannt wurde. Im Anfange des Jahres 1804 begab sich Wolf Breidenbach nach Regensburg, um die Aufhebung des Leibzolls zu betreiben und setzte sich dort mit den Agenten mehrerer deutschen Höfe in Verbindung. Insbesondere suchte er sich die Mitwirkung des Erzkanzlers, Fürst-Primas Karl von Dalberg zu verschaffen. Dieser, der von den wohlwollendsten Gesinnungen gegen die Juden erfüllt war, wandte darum auch den edlen Bestrebungen Breidenbachs seine eifrigste Unterstützung zu. Welchen Erfolg Breidenbach beim Erzkanzler, Fürst-Primas erzielt hat, geht am deutlichsten aus folgender Urkunde hervor, die, datirt vom 19. Januar 1804, von der Dalberg'schen Regierung Ersterem zugesertigt ward und lautet: